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Die Kommune Borås
(57°43' N, 12°57' O) in Västra Götalands län
liegt zwischen Göteborg und Jönköping und hat ca. 100.000 Einwohner. Der wirtschaftliche Aufstieg der
südschwedischen Stadt begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit der
Heimweberei. Wichtige Akteure auf dem Weg ins Industriealter waren die
Lieferanten. Sie importierten das Garn, ließen es von den Heimwebern gegen
geringe Bezahlung verweben und handelten die fertigen Tücher zu hohen
Preisen. Viele der Lieferanten erwarben so enorme Vermögen. Dieses Kapital
legte den Grundstein für eine mechanisierte Textilindustrie mit mechanischen
Webstühlen.
Herumziehende Handlungsreisende waren für den Verkauf der Stoffe zuständig.
Sie zogen mit ihren Waren in einem Sack auf dem Rücken zu Fuß durch das
ganze Land. Viele wanderten so das ganze Leben durch Schweden. Aber einige
von ihnen sahen neue Verdienstmöglichkeiten. Albert Johansson begann als
umherziehender Handlungsreisender und gründete um 1920 eine
Konfektionsfabrik, die Algots in Borås, die bald die größte sein sollte.
Algots elegante Sportkleidung und Qualitätsmodelle waren international für
ihre Qualität, Farbenfreude und Passform bekannt. Algots Ziel war es,
attraktiver und schwungvoller zu sein, als die Konkurrenz.
Der Zweite Weltkrieg veränderte die Vorraussetzung für die schwedische
Textilindustrie radikal. Algots hatte trotz der Blockade während des Krieges
die Entwicklung der Mode in Amerika genau beobachtet. Nach dem Ende des
Krieges war Schweden eines der wenigen Länder, das Fabriken hatte, die nicht
in Trümmern lagen. Die schwedische Textilindustrie erlebte damals einen
enormen Aufschwung. Die Fabriken in Borås liefen auf Hochtouren und neue
Unternehmen kamen täglich hinzu. Es wurden immer mehr Arbeitskräfte
benötigt, die aus Deutschland, Jugoslawien und Finnland angeworben und
umgehend an die Fließbänder geschickt wurden. 1960 arbeiteten über 20.000
Menschen in der Textilindustrie von Borås. In diesen Jahren machte die
Textilindustrie zwei Drittel der lokalen Wirtschaft aus. Die Menschen
verdienten gut und die Zeiten erschienen rosig.
Man konnte aber schon in den 60er Jahren sehen, dass die Textilindustrie in
Schweden keine Zukunft hatte. Es wurde sehr schwierig wegen der hohen Löhne
und der starken Konkurrenz. Gerade als der Handel und die Produktion so
richtig in Gang kamen und Schweden eigentlich ein ganz guter Markt war,
begann die Konkurrenz sehr stark zu wachsen und es gab viele Chefs, die das
nicht sahen. Nach und nach wurde nicht nur den Unternehmern, sondern auch
der Gewerkschaft der Textilarbeiter bewusst, dass der Druck durch billiger
produzierende ausländische Konkurrenz immer größer wurde.
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Damit die Textilindustrie in Schweden und speziell in Schweden bleiben
konnte, musste man rationalisieren und technologisch aufrüsten. Die
Maschinen in Borås fingen an, Tag und Nacht zu laufen. Es ging eine Weile
gut, war auf Dauer aber nicht rentabel. Es dauerte nicht sehr lange und die
stärker werdende Konkurrenz aus den Niedriglohnländern verschärfte die Krise
in der Textilindustrie in Borås. Die Arbeiter und Gewerkschaften kämpften
zunächst um den Erhalt der Arbeitsplätze.
Es gab eigentlich nur einen, der
stark genug war, um zu helfen – das war der schwedische Staat. Der
schwedische Finanzminister veranlasste den Kauf der Hälfte der Unternehmen.
Das ging bis 1975 gut - bis die gewaltigen Lohnerhöhungen kamen. Die
Erhöhung der Löhne der Textilarbeiter war eine bewusste Strategie, sowohl
von der sozialdemokratischen Regierung, als auch des schwedischen
Gewerkschaftsbundes. Eine ungewöhnliche Entscheidung – war damit doch das
Ende der Textilindustrie besiegelt. Aber bei den Verhandlungen war man sich
einig, dass solch eine Niedriglohnbranche vor dem Hindergrund der harten
Konkurrenz aus Billiglohnländern in Schweden keine Zukunft hat. Man plante
stattdessen eine Umstrukturierung der Industrie.
Die Folge der staatlich verordneten Lohnerhöhungen war, immer größere Teile
der schwedischen Textilproduktion ins Ausland zu verlegen. Die Arbeiter
protestierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Um die Produktion in
Schweden zu halten, bot der schwedische Staat der Firma Algots 70 Millionen
Kronen für den Aufbau einer neuen Fabrik in Norrland, dem strukturschwachen
Norden Schwedens an. Für Algots war das damals ein willkommenes Geschenk.
Doch als man dann in Norrland das neue Werk schließen musste, knirschte es
auch in Borås. Eine Fabrik nach der anderen stellte die Produktion ein.
Ein Teil der Textilindustrie in Borås hat jedoch überlebt. Man hat sich auf
besondere Stoffe spezialisiert und forscht nach immer neueren und besseren
Stoffen. In der Zukunft wird man hier wohl an Stelle einer Massenproduktion,
speziell an den Kunden angepasste Kleidung produzieren. Die Umwandlung der
Industriestandortes Borås scheint gelungen. Mit schmerzhaften Stilllegungen
und der Ansiedlung neuer Branchen. Die Textilindustrie hat ihre Marktnischen
gefunden. Die lange Tradition der Textilverarbeitung scheint in Borås
weiterhin eine Zukunft zu haben. Viele schwedische Bekleidungs- und
Versandhandelsunternehmen haben ihren Sitz und ihre Handelsvertretungen hier
in Borås.
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