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Stockholm

Wappen StockholmStockholm ist seit 1634 die Hauptstadt des Königsreiches Schweden. Eine wahrhaft königliche Stadt, in der heute ca. 900.000 Einwohner leben. Bis 2025 soll die Millionengrenze überschritten werden.  Der erste Eindruck von Stockholm ist gesammelte Ruhe in der Bewegung, kühles Feuer, in das man sich stürzen möchte und doch nicht kann. Schon nach den ersten vierundzwanzig Stunden ist man kein Fremder mehr, und gleichzeitig weiß man, dass man nie ein Einheimischer sein wird. Stark und ruhig schlägt das Herz der Stadt, von den Verkehrsadern droht kein Infarkt. Die Altstadtkais, an denen einst die Geschichte der Metropolis begann, sind nur der Bypass für die Autoströme. In den Gassen aber gurren Tauben, plätschern Brunnen, setzt Glockenspiel den geruhsamen Takt der Zeit.

Stockholm ist eine Stadt aus 14 Inseln. Eine schwimmende Stadt mit Brücken, Seen und Kanälen. Stockholm selbst ist auf Felsen gebaut, ab und zu hört man die Sprengschüsse, die notwendig sind, um das Fundament neuer Häuser auszuschachten. Aber ringsherum grünt und blüht es, wenige Kilometer vor der Stadt gibt es noch riesige Wälder in denen die Elche umherstreifen und man keiner Menschenseele begegnet. Da draußen vor der Stadt haben viele ihrer Bewohner ihr kleines Sommerhäuschen mit Garten.

 Die Altstadt bildet die Keimzelle von Stockholm. Von hier aus entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Handelsplatz an der Ostsee. Eine führende Rolle spielten dabei deutsche Kaufleute und Schiffseigner. Die Hanse hatte großen Einfluss auf die Politik im Rathaus. Aus mittelalterlicher Zeit ist in der Altstadt fast nichts übrig geblieben. Die ältesten Häuser stammen aus dem 17. Jahrhundert, der Barockzeit, als Schweden zur Großmacht im Ostseeraum aufstieg. Erhalten aber haben sich der mittelalterliche Straßenverlauf und die engen Gassen, die Gamla stan nicht nur für Besucher so reizvoll erscheinen lassen. Die Altstadt ist ein intaktes, lebendiges Viertel.

Innerhalb der Stadt ist der Verkehr gering. Nur die Straßenbahnen machen etwas Lärm, die Autos hupen hier nur im äußersten Notfall. Man sieht nicht so viele Radfahrer wie in Kopenhagen, es gibt hier ziemliche Steigungen und im Stadtkern sind die Straßen eng und kurvig, dass das Radfahren ein zweifelhaftes Vergnügen geworden ist.

Das mächtige Gebäude von Gamla stan ist das königliche Schloss. StockholmDie Königsfamilie und ihr Stab haben hier ihre Arbeitsräume. Bis Anfang der 80er Jahre wohnte die Königsfamilie sogar hier, wie ihre Ahnen, die Mitte des 18. Jahrhunderts in das neu erbaute Schloss einzogen. Mit 608 Zimmern war das Platzangebot mehr als standesgemäß. Neben dem Prunkschlafzimmer des ehemaligen Königs Gustav III. (Schweden Theaterkönig) befindet sich der prachtvollste Raum des Schlosses. In der Gallarie von Karl XI finden heute Festbankette statt. Etwa 150 Menschen speisen an einer langen Tafel, wenn das Königspaar Gäste empfängt. In der Gästewohnung schlafen die offiziellen Staatsgäste der Königsfamilie. Auch Johannes Rau hat hier schon genächtigt. Viele Gäste gestalten sich den Raum nach ihren Bedürfnissen ein wenig um. An normalen Tagen kann das Schloss besichtigt werden. Bei Staatsbesuchen und anderen offiziellen Anlässen ist es für die Öffentlichkeit teilweise oder gar ganz geschlossen.

Diese Stadt verschenkt sich nicht und ist doch reich genug, zu geben, ohne nach den Gegendiensten zu fragen. Der Untergrund der Häuser ist Felsen. In der Altstadt Gamla Stan gibt es nur wenige Gebäude, die jünger als 200 Jahre sind. Umschlossen sind die vierzehn Inseln, auf denen sie steht, nach der einen Seite vom Meer, nach der andern von Süßwasser. Vom offenen Wasser trennen Stockholm jedoch 24.000 Inseln - die Schären. Zwei Gesichter hat sie so, das eine in die Welt hinaus gewandt, das andere nach dem eigenen riesigen Hinterland gerichtet, in dem acht Millionen Menschen auf einer Bodenfläche etwa von der Größe Deutschlands wohnen. Das ergibt in allen Dingen weiten Raum und gesicherte Entfernung.

Nach zwei Seiten ist der ruhige Blick Stockholms gerichtet — nach dem Osten und nach dem Westen. Der Osten ist hier weniger das mächtige Russland, in dem die Schweden früher so gewaltige Kriege geführt haben, sondern das gegenüberliegende Finnland. Die Finnen sind ein sehr altes und doch wieder ganz junges Volk. Sie machten alle Kinderkrankheiten einer erwachenden Nation durch. Dazu gehört auch eine gewisse Distanzierung gegen die Schweden, die tausend Jahre lang das Land der tausend Seen beherrscht haben und heute noch als frühere Oberschicht von etwa einer halben Million Einwohnern im Lande sitzen. Ein schwedisches Minderheitenproblem, vor allem in der Sprachenfrage, ist in den letzten Jahren allmählich entstanden, es wird mit der größten Zurückhaltung und Freundlichkeit behandelt, die jedoch durchaus nicht Entschiedenheit vermissen lässt. Schweden selbst hat eine kleine finnische Minderheit hoch im Norden, die seit langer Zeit sehr loyal und unter Achtung ihrer besonderen Eigenheit behandelt wird.

Rikstelefon StockholmNach der andern Seite schaut Stockholm nach England und Amerika hinüber. Wenn man von Rassenverwandtschaft sprechen will, dann empfindet sie der Skandinavier in weit stärkerem Maße zu den angelsächsischen Völkern als zu Deutschland. Gewiss, Stockholm ist entstanden als eine deutsche Stadt, in engster Verbindung mit den Hansastädten Bremen, Lübeck, Hamburg. Die Architektur der alten Stadtteile ist die gleiche in den Grundzügen wie die Architektur des deutschen Nordens. In den schmalen Gassen der Altstadt, dem Viertel ehemaliger deutscher Kaufleute, zeugen noch heute neben der Tyska Kyrkan (Deutsche Kirche) auch viele Straßennamen von der Blütezeit der Hanse. Die Stockholmer selbst sind ein ausgesprochen gleichmäßiger Typ trotz aller individuellen Differenzierung, und sie sind gar nicht traurig, dass durch eine starke Mischung mit finnischem Blut — also gewissermaßen mongolischem Einschlag — und durch einen nicht unerheblichen wallonischen Zuschuss eine Mischung des Volkscharakters entstanden ist, die sich sehr fruchtbar zeigt.

Was Stockholm und der schwedischen Bevölkerung das besondere Gepräge gibt, ist die Kontinuität der Entwicklung über zwei Jahrhunderte hinweg. Man kann sich hier einen lebhaften Begriff davon machen, wie Europa heute aussehen würde, wenn die unseligen Weltkriege nicht gekommen wären. Von einer Verweichlichung und satten Verspießerung ist gar keine Rede, aber eine Differenzierung, ist auf allen Gebieten festzustellen. Die "Masse Mensch" existiert nicht, aber auch nicht die Oberbetonung eines krankhaften Individualismus, die nach dem dadaistischen Grundsatz "Jeder sein eigener Fußball” eine snobistische Gesinnung erzeugt.

In Stockholm ist man darauf eingestellt, das Leben möglichst von seiner leichteren Seite zu nehmen, viel Problematik und Theorie ist nicht beliebt. Und doch basiert das gesamte Kulturleben auf einer sehr alten Tradition und gleichzeitig auf dem Willen, alles Neue und Brauchbare aufzunehmen und zu verarbeiten. In gewissem Sinne sind die Schweden die "Amerikaner des Nordens". Jede technische Neuerung wird sofort unvoreingenommen geprüft.

Eine glückliche Stadt? Man könnte so sagen, besonders jetzt, wo die Konjunktur die Nachwirkungen der Krise völlig weggespült hat. Man hat allerdings auch in der Krise den Standard nicht allzu stark senken müssen. Denn es waren genügend Reserven vorhanden, und sie wurden großzügig eingesetzt. Man hatte keine Angst vor dem kommenden Tag — »es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe", sagte man mit der Bibel, die der "Verband reisender Kaufleute" hier im Hotelzimmer aufgelegt hat.

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