Die nordischen Sinnesfreuden auf der Projektionsleinwand reiften in den zwanziger Jahren
– mit einem damals eher pummeligen jungen Mädchen namens Greta Gustafsson, das
1922 in der schwedischen Komödie "Luffar-Peter" (Peter, der Tramp) zu sehen war. Greta Garbo, die
"Göttliche", auch
genannt die "Sphinx" wurde schon zu Lebzeiten zur Legende. Schon 1924, in dem Film
"Gösta Berlings Saga", wird
deutlich, dass der Regisseur Mauritz Stiller etwas von dem ahnte, was sie einst
sein könnte.
In Hollywood, mit Filmen wie "The Temptress" (Die Versucherin, 1926), und "Flesh and the Devil" (Das Fleisch und der Teufel, 1926) nahm das
Garbo-Image Gestalt an, jene übertrieben sinnlich, erotisch-sexuell äußerst
zwiespältige Ausstrahlung, die Männer und Frauen gleichermaßen anzog.
Den Hollywood-PR-Leuten
passte es natürlich hervorragend ins Konzept, dass sich die Garbo bei ihrem
nächsten Film in ihren Partner John Gilbert verliebte – oder wohl eher er sich
in sie. Da der Titel des Films "Love" hieß, konnte man mit dem doppeldeutigen
Satz "Greta Garbo and John Gilbert in Love" Werbung machen. Garbo und Gilbert
wollten heiraten, doch zum Hochzeitstermin erschien die Braut nicht - John
Gilbert und die Gäste warteten vergeblich. Der Bräutigam hat diese Schmach nie
überwunden. Er wurde zum Trinker und mit seiner Karriere ging es bergab. Die
Göttliche gab fortan nie wieder Einblicke in ihr Privatleben.
Nach 27 Filmen und Welterfolgen wie "Mata Hari" (1932), "Königin Christine" (1933),
"Anna
Karenina" (1935), "Die Kameliendame" (1936) und "Ninotschka" (1939), einer
Komödie des großen Ernst Lubitsch, für die mit den Worten "Garbo lacht" geworben
wurde, zog sich der Star endgültig zurück. Sie verbarg sich, wenn sie sich
überhaupt in der Öffentlichkeit zeigte, hinter dunklen Sonnenbrillen und unter
großen Hüten, gab nie Interviews und lehnte konsequent alle Angebote, auf die
Leinwand zurückzukehren, ab. Ihr letzter Film (1941) hieß "Die Frau mit den zwei
Gesichtern" – ein treffender Titel und ein denkbar schlechter Film. Die Legende
der "Göttlichen" aber blühte, je mehr sie sich in Wolken hüllte.
Obwohl Greta Garbo alles andere als die typisch nordische Blonde war, weder
lebenslustig noch leidenschaftlich, wob sie doch am Schleier, der das Geheimnis
der Schwedinnen verbarg, jener "außergewöhnlichen" Frauen, die ihre
Unabhängigkeit behaupteten, auch wenn die Männer daran zugrunde gingen. Nicht
nur John Gilbert, auch ihr Entdecker, der in Schweden so erfolgreiche Mauritz
Stiller, der mit ihr nach Hollywood ging, scheiterte an ihrer Seite.