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Kosog'sches Diktat: "Testament einer Mutter"

Das Kosog'sche Diktat "Testamente einer Mutter" wurde 1903 von Joseph Lammertz speziell zur Demonstration der Tricks und Fallen der Groß- und Kleinschreibung zusammengestellt. Hier werden die Unterschiede zwischen den alten und den neuen deutschen Rechtschreibregeln, insbesondere dem Unterschied der Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- oder Zusammenschreibung, sowie der Schreibung mit "ss" oder "ß" dargestellt. Diejenigen Stellen, an denen die Neuregelung der Rechtschreibung abweicht, sind rot markiert. In einigen Fällen sind die von der Neuregelung zugelassenen Veränderungen in Klammern angegeben. Die Gegenüberstellung der alten und der neuen Schreibweise macht nachvollzierbar, dass die Neuregelung zu unzweifelhaften Verbesserungen geführt hat. Der Text enthält 57 Änderungen und 8 Zweifelsfälle der neuen deutschen Rechtschreibregeln. Die Pronomen der 2. Person Singular und Plural werden in der Anrede künftig immer klein geschrieben. 

Alte Schreibregel

Neue Rechtschreibung

Liebe Kinder! Liebe Kinder!
Heute nacht nahm ich mir vor, Euch Heute Nacht nahm ich mir vor(,) euch
diesen Morgen einige Lehren fürs diesen Morgen einige Lehren fürs
Leben des näheren niederzuschreiben. Leben des Näheren niederzuschreiben.
Leset sie oftmals durch, so werdet Ihr Leset sie oftmals durch, so werdet ihr
Euch bei Gelegenheit des Näheren euch bei Gelegenheit des Näheren
entsinnen und danach handeln. entsinnen und danach handeln.
Zwar kann ich Euch nur etwas Zwar kann ich euch nur etwas
weniges hinterlassen; aber Euch W(w)eniges hinterlassen; aber euch
etwas Gediegenes lernen zu lassen, etwas Gediegenes lernen zu lassen,
dazu habe ich mein Bestes, ja mein dazu habe ich mein Bestes, ja mein
möglichstes getan. Ihr seid alle gut Möglichstes getan. Ihr seid alle gut
im Stande, so daß Ihr imstande seid, im Stande, so dass ihr im Stande (imstande) seid(,)
Euch redlich durchzuschlagen. Sollte euch redlich durchzuschlagen. Sollte
jedoch einer von Euch je in Nöten sein, jedoch einer von euch je in Nöten sein,
so ist es durchaus vonnöten, daß Ihr so ist es durchaus vonnöten, dass ihr
Euch gegenseitig helft. Seid stets euch gegenseitig helft. Seid stets
willens, Euch untereinander zu Willen willens(,) euch untereinander zu Willen
zu sein. Irrt einer von Euch, so sollen zu sein. Irrt einer von euch, so sollen
die übrigen ihn eines anderen, und die Übrigen ihn eines A(a)nderen(,) und
zwar eines Besseren belehren. Achtet zwar eines Besseren belehren. Achtet
jedermann, Vornehme und Geringe, jedermann, Vornehme und Geringe,
arm und reich. Seid keinem feind; Arm und Reich. Seid keinem Feind;
denn jemandes Feind sein, bringt oft denn jemandes Feind sein(,) bringt oft
Unheil. Tut niemand ein Leid an, so wird Unheil. Tut niemand ein Leid an, so wird
man auch Euch nicht leicht etwas man auch euch nicht leicht etwas
zuleide tun. Euer seliger Vater zu Leide (zuleide) tun. Euer seliger Vater
sagte oft zu seinen Schülern: "Tut nie sagte oft zu seinen Schülern: "Tut nie
Böses, so widerfährt euch nichts Böses." Böses, so widerfährt euch nichts Böses."
Macht Euch eine brüderliche Macht euch eine brüderliche
Friedfertigkeit zu eigen, indem Ihr im Friedfertigkeit zu eigen, indem ihr im
Streit nach dem Wort handelt: Streit nach dem Wort handelt:
"Gehst du zur Rechten, so gehe ich zur "Gehst du zur Rechten, so gehe ich zur
Linken." Tut nie unrecht; seid Ihr aber Linken." Tut nie U(u)nrecht; seid ihr aber
im Recht, so habt Ihr recht, ja das größte im Recht, so habt ihr Recht, ja das größte
Recht, wenn Ihr Euer Recht sucht. Recht, wenn ihr euer Recht sucht.
Laßt nichts außer acht, ja außer aller Lasst nichts außer Acht, ja außer aller
Acht, wenn Ihr Freundschaft schließt; Acht, wenn ihr Freundschaft schließt;
wählt nicht den ersten besten als Freund wählt nicht den ersten Besten als Freund
und sorgt, daß Ihr unter Euren und sorgt, dass ihr unter euren
Mitarbeitern nie die Letzten seid. Wollt Mitarbeitern nie die Letzten seid. Wollt
Ihr Wichtiges zuwege bringen, ihr Wichtiges zu Wege (zuwege) bringen,
so müßt Ihr ernstlich zu Werke gehen. so müsst ihr ernstlich zu Werke gehen.
Sucht auf dem laufenden zu bleiben und Sucht auf dem Laufenden zu bleiben und
zieht nie eine ernste Sache ins zieht nie eine ernste Sache ins
Lächerliche. Verachtet nie das Leichte, Lächerliche. Verachtet nie das Leichte,
so wird es Euch schließlich ein leichtes, so wird es euch schließlich ein Leichtes,
auch das Schwierigste zu überwinden. auch das Schwierigste zu überwinden.
Es ist aber das schwierigste, daß man Es ist aber das Schwierigste, dass man
sich selbst bezwingt. Seid Ihr in einer sich selbst bezwingt. Seid ihr in einer
Angelegenheit im dunkeln, so übt Angelegenheit im Dunkeln, so übt
Verzicht, denn im Dunkeln stößt man Verzicht, denn im Dunkeln stößt man
leicht an. Seid auch im Geringsten leicht an. Seid auch im Geringsten
nicht im geringsten untreu. Zum letzten nicht im Geringsten untreu. Zum Letzten
rate ich Euch folgendes: Befolgt das rate ich euch Folgendes: Befolgt das
Vorstehende, so braucht Euch nicht Vorstehende, so braucht euch nicht
angst zu sein; ohne Angst könnt Ihr dann angst zu sein; ohne Angst könnt ihr dann
zu guter Letzt auf das beste standhalten, zu guter Letzt auf das Beste standhalten,
auf das Beste hoffen und trotz aller auf das Beste hoffen und trotz aller
Widerwärtigkeiten zeit Eures Lebens Widerwärtigkeiten zeit eures Lebens
dem Schicksal Trotz bieten. dem Schicksal Trotz bieten.

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