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Betriebsreise nach Schweden

Im Sommer des Jahres 2004 hatte sich der Unterauftragnehmer unseres Betriebes "SAAB Trainings Systems" entschlossen, die finanziellen Mittel freizugeben, damit wir als Mitarbeiter eines Gefechtsübungszentrums der Bundeswehr den Stammbetrieb in Huskvarna kennen lernen sollten. Bereits nach der Übernahme unseres Betriebes von dem neuen Betreiber SERCO stand fest, dass in diesem Bereich nur schwedische Ideale zählen werden. Als ehemalige DDR-Bürger sollte uns das nicht schwer fallen, auch wenn einer der SAAB-Mitarbeiter, ein vor 19 Jahren ausgewanderter Ingenieur Dr. Asmus Pandikow feststellte: "Man kann zwar aus einem Deutschen keinen Schweden machen. Aber wir haben bereits schwedische Verhältnisse vorgefunden. darüber haben wir uns am meisten gefreut!"

So ging es am 04.07.2004 frühmorgens mit dem Bus in Letzlingen los. Der Busfahrer, Herr Hafenrichter, war bereits ein Experte für Skandinavientouren und kannte sich bis zum Polarkreis aus und wusste von vielen Touren zu berichten. Die 800 km kamen mir nicht so lang vor, wie erst befürchtet. Es war für mich, da ich noch nie in Skandinavien war, fast unbegreiflich und interessant, auch wenn das Wetter durch die Querroute durch Dänemark zunächst eher regnerisch war, um dann im wahrsten Sinne des Wortes, im sonnigen Schweden, im Hafen von Malmö anzukommen.

Wie erwähnt, kamen immer wieder Regenschauer während der Tour auf und schließlich sahen wir von Bord der Fähre auf dem letzten Abschnitt über die Ostsee schon das schwedische Malmö in der Sonne glänzen. Wir steigen in den Bus und fahren nach Jönköping weiter.

Die Busfahrt führte durch Südschweden, dem kleinen Land - "Småland". Zunächst eine Betriebsbesichtigung. Allerdings nicht überall fotografieren erlaubt. Hier einige Fotos aus dem Foyerbereich des Betriebes. Hier treffen sich auch Kollegen, wenn sie eine neue Idee oder Verbesserungsvorschläge besprechen wollen.

Foyerbereich SaabJönköping liegt am Vätternsee - dem zweitgrößten See in Südschweden. In diesem See gibt es eine Forellenart, die sogar von Fischmäkelern nicht verschmäht wird. Die Firmenvertretung von SAAB Trainings-Systems lud uns zu einem Essen in einer der kleinen Gaststätten an der Strandpromenade ein. Eine außerordentlich freundliche Bedienung empfing uns. Und ein Blickfang war für einige unter den Kollegen die typisch blonde Schwedin mit den stechend blauen Augen. Nebenbei bemerkt, so viele davon gibt es in Schweden nun sicher nicht, aber ich bin davon überzeugt, in Schweden gibt es nur hübsche und intelligente Frauen!

In der Abendsonne noch ein Spaziergang an der Uferpromenade. Eine kleine Stadtrundfahrt vom "Grand Hotel" aus führte durch den Stadtkern und vermittelte uns ein Bild, das wir nur noch von DDR-Zeiten in Erinnerung haben: Es ist nicht solch ein Trubel auf den Straßen und kein dichter Verkehr. Man meint, es sei Feiertag!

Auf der Stadtrundfahrt erfahren wir nebenbei, dass es hier eine Schule für Fachschwestern gibt, die in ihrer Ausbildung der von in Deutschland tätigen Hausärzte in Nichts nachstehen. Das Gesundheitssystem ist in Schweden nach einem Modell aufgebaut, das dem der Grundidee in der DDR ähnelt. In der DDR gab es in jeder Gemeinde eine Gemeindeschwester. Nur hatte diese leider nicht ganz die Ausbildung eines Hausarztes. Hier ist es auch aus Kostengründen anders organisiert. Schweden ist dünn besiedelt. Zwischen den recht kleinen Ortschaften liegen große Entfernungen und daher wurde die medizinische Versorgung daran angepasst.

Ein besonderes Highlight war die Fahrt nach Gränna. Dort werden die aus Schweden gut bekannten Zuckerstangen entwickelt. Man bezeichnet sie als "Polkagrisar", eine Bezeichnung, die sich nicht sinngemäß übersetzen lässt. In Schweden sollen die Kinder dazu erzogen sein, auf die Gesundheit ihrer Zähne zu achten. Daher gibt es einen Tag in der Woche, an dem sie sündigen und Süßigkeiten essen dürfen. An den übrigen Tagen wird darauf geachtet, dass sie gesund leben und keinen solch hohen Aufwand mit ihrer Zahnhygiene treiben müssen. Das Wetter war leider nicht so fotofreundlich. Dennoch habe ich eine Zuckerstangenfertigung genauer angesehen und auf der Weiterfahrt noch eine andere Manufaktur fotografiert. In der ersten Manufaktur ist in einem Museum die Geschichte der Zuckerstangenfertigung zu sehen. Ein altes Auto als Werbefahrzeug ist ein toller Blickfang. Wir kamen an einem berühmten Hotel vorbei, das wie ein amerikanisches Western-Hotel anmutet.

Die Werbung für dieses Hotel lautet:

Gränna´s trevligaste kvarterskrog. 1700-talshus med charm mitt i Gränna centrum. Med mysig matsal i gammal stil och stor uteservering sommartid. Vida känt för god mat levande musik och dans.

Als Thüringer kenne ich sehr gut die traditionelle Glaskunstmanufaktur aus Lauscha bei Neuhaus am Rennweg. Niemals jedoch hätte ich ausgerechnet in Schweden und schon gar nicht in Gränna vermutet, dass sich dort ein Italiener niedergelassen hat und ebenfalls hervorragende Glaskunst fertigt. Bei einer Reise sollte man dort unbedingt mal hereinschauen!

Noch ein paar Worte zur Mentalität der Schweden: In der Regel sind Betriebsleiter hervorragend geschulte Psychologen und Menschenführer. Um den Zusammenhalt eines Teams zu fördern und bestehende Diskrepanzen abzumildern bzw. zu konsolidieren. In der Nähe von Jönköping befindet sich im Wald eine Art Klubheim. Nachdem man eine sehr enge Waldstraße passiert hat, auf der kaum zwei Fahrzeuge aneinander vorbeikommen, erreicht man ein großes Wasser-Wald-Wiesen-Grundstück. GesellschaftsspieleDort wurden wir zunächst zu Gesellschaftsspielen empfangen, wie man sie bei uns schon lange vergessen hat. Es wurden nach einer Einweisung der schwedischen "Spielleitung" der Baude Mannschaften gebildet und jeder bekam - ähnlich den Indern - einen farbigen Punkt auf die Stirn. Man schaue auf den Fotos. Es machte allen sehr viel Spaß und hinterher in geselliger Rund schmeckte es noch mal so gut. Übrigens gab es auch Bier - eine Light-Sorte. In Schweden ist Alkohol eher verpönt und gehört wirklich nur als Genussmittel auf Feiern in Maßen.

Zwischendurch ging es noch einmal raus, denn wann sonst sollte man noch einmal auf dem See eines schwedischen Grundstückes mit einem Rennkanu fahren oder Geschicklichkeitsübungen mit dem Golfball testen, der unverhofft aus einem Regenrohr herausschießt und dann mit dem Hockey- oder Golf-Schläger schnell nach der Seite zu schießen ist?

Ein Gemälde in der Baude zeigt Elche. Ob es die auch in Natura hier gibt? Wir wissen von den Einheimischen, dass die nur im Norden auftauchen. Aber Hirsche und Wildschweine gibt es hier! Die Trophäen zeigen es. Indessen haben sich alle noch einmal in der Baude zusammengefunden.

Dieser Tag war ein gelungener Ausklang der Betriebsfahrt nach Schweden. Auf jeden Fall lohnt es sich, dort hinzureisen und Kontakte zu knüpfen. Die Schweden sind nicht nur sehr gastfreundlich, sie sind auch erfinderisch und auf jeden Fall aufgeschlossen, wenn jemand Fragen hat oder Schwedisch lernen möchte. Noch einmal am nächsten Tage vor der Abfahrt ein Blick in die Straße vor dem Hotel. Hier soll irgendwo die Zahnarztpraxis desjenigen Hobbykünstlers sein, der nebenbei unter "Dr. Alban" Musik produzierte! Und ein Hobbykollege ist der aus Deutschland stammende Mitarbeiter Dr. Pandikow, der die Musikproduktion unterstützt!  An dieser Stelle möchte ich den Bericht schließen.

 

Bei Rückfragen schreib an: estudia694@yandex.ru

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