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Weltreise mit der AIDAaura  08.10.2018 - 02.02.2019

Teil 1:  Von Hamburg bis San Antonio

Ich habe diesen Reisebericht in drei Teile aufgeteilt, damit die Ladezeit im Internet nicht zu lange wird.

Wir sind dann mal kurz weg!

Am Mittag durften wir schon um 12 Uhr aufs Schiff und direkt in die Kabine, die schon bezugsfertig war. Erfreulicherweise hatten wir diesmal einen vierteiligen Schrank und konnten alle Kleidungsstücke bequem unterbringen. Um 20:00 Uhr hieß es "Leinen los" und wenig später wurden wir mit einem großen Feuerwerk gebührend aus Hamburg verabschiedet. Anschließend gab es den obligatorischen Sektempfang auf dem Pooldeck. Im Anschluss präsentierte uns AIDA eine Welcome-Show. Am späten Abend wurde es uns bei der Sail Away Poolparty aber zu kalt und wir verzogen uns in die Kabine.

Der erste Seetag verflog rasend schnell, denn es gab den ganzen Tag Veranstaltungen, die uns interessierten. Der Altersdurchschnitt der Passagiere lag so bei gut 55 bis 60 Jahren. Mehrere kleine Kinder fuhren auch mit, aber auch viele Rollatoren und einige Rollstühle.

Am zweiten Seetag hatten wir den Ärmelkanal bereits verlassen und fuhren in der Bucht von Biskaya Richtung "La Coruña" in Galicien, wo wir am 11. Oktober pünktlich um 10:00 Uhr ankamen. Beim Frühstücken konnten wir einen herrlichen Sonnenaufgang beobachten. Das Wetter war gut und die See relativ ruhig mit lang gezogenen Wellen. Bei schönem Wetter haben wir die Altstadt auf eigene Faust erkundet und uns den "Torre de Hercules" angesehen, den ältesten noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm der Welt aus dem Jahr 110. Am Abend frischte der Wind auf, der sich in der Nacht zu einem Sturm mit Windstärke 12 entwickelte.

Am nächsten Morgen hörten wir über die Bordlautsprecher, dass wir drei Stunden Verspätung haben und wegen des starken Windes den Hafen von Porto nicht anlaufen können. Der Kapitän versuchte in Lissabon einen Liegeplatz zu bekommen. Drei in Porto wartende Lkw’s mit Proviant wurden dann nach Lissabon umdirigiert, um die Ware dort zu übergeben. Außerdem hatten wir einen Schwerkranken, der dort ausgeschifft werden sollte. Am Vormittag kam dann die Durchsage, dass der Hafen von Lissabon voll ist und wir dort nicht einlaufen dürften. Der Kranke wurde dann mit einem Hubschrauber abgeholt. Wir fuhren dann weiter Richtung Madeira. Allerdings wurde dort für morgen ein Hurrikan erwartet.

Tschüss, Europa!

Anders wie erwartet ist das Sturmtief nordwestlich an Madeira vorbeigezogen und zog weiter Richtung portugiesische Küste. Madeira MonteSo konnten wir Kurs auf Madeira nehmen. Allerdings ist der Kapitän nicht direkt dorthin, sondern hat einen großen Bogen gemacht und ist nicht mit voller Geschwindigkeit gefahren, damit das Schiff ruhiger lag. Weil wir Portugal nicht anlaufen konnten, sind wir etwa drei Stunden früher auf Madeira angekommen. Es war noch dunkel und die Stadt lag unter Sternenhimmel entzückend beleuchtet vor uns. Da das Schiff nicht wie üblich an der Außenmole sondern am Stadtkai festmachen durfte, hatten wir nur wenige Meter bis zur Innenstadt von Funchal bzw. benötigten wir zu Fuß bis zur Talstation der Seilbahn nur etwa 20 Minuten. Oben angekommen, hatten wir einen herrlichen Ausblick über Funchal. Leider fuhren die Korbschlitten am Sonntag nicht. Wir waren das einzige Kreuzfahrtschiff, das im Hafen festmachte. Ich habe schon Fotos mit bis zu vier Schiffen im Hafen von Funchal gesehen.

Madeira ist eine wunderbare Urlaubsinsel für Naturliebhaber und Wanderer. Hier blühen das ganze Jahr über farbenfrohe Pflanzen bei gemäßigtem Klima. Für Kinder ist die Insel dagegen weniger geeignet, da es so gut wie keinen Sandstrand gibt und die Uferzonen steil nach oben ragen. Die Straßen sind sehr schmal und man muss sich wundern, dass da Autobusse fahren. Einige Häuser in der Inselhauptstadt sind sogar nur zu Fuß zu erreichen.

Wer wusste, dass Ronaldo aus Madeira stammt? Ihm zu Ehren ist ein Hotel im Hafen benannt und es steht eine Bronzestatue davor.

Am Abend verließen wir den letzten europäischen Hafen und fuhren auf eine knapp 2000 Kilometer lange Reise Richtung Kapverden.

Am nächsten Seetag konnten wir an einer knapp zweistündigen Küchenbesichtigung teilnehmen. Bei der Besichtigung erfuhren wir nicht nur wie die Speisen zubereitet werden, sondern auch viele Sachen über die Logistik der Lebensmittel. Da die AIDA-Schiffe nicht für eine Weltreise gebaut wurden, reichen die Vorräte nur maximal für zwei bis drei Wochen. Alle Getränke wie Wein, Bier, Wasser oder Säfte und auch fast alle anderen Lebensmittel werden in Containern mit einer Exportfirma aus Kiel in die Destinationshäfen verschifft und dort von den AIDA-Schiffen an Bord genommen. Die drei Lkw-Ladungen, die wir in Portugal wegen des schlechten Wetters nicht aufnehmen konnten, werden mit einem Frachtflugzeug nach Brasilien geflogen und dort auf unser Schiff geladen.

Abenteuerurlaub

Nach dem Frühstück am 16. Oktober ertönte ein schriller Warnton, der nicht mehr aufhörte. Wenig später kam eine mehrmalige Durchsage an die Crew-Mitglieder "Fire in the engine room". Alle Feuertüren schlossen automatisch. Wir gingen sofort über das Treppenhaus, wo schon Rauch zu riechen war, auf Deck 6 zur Musterstation, wo wir von der Mannschaft mit Rettungswesten versorgt wurden. Die Crew fing auch sofort an, die Rettungsboote herunterzulassen und die Bordkarten der Passagiere einzuscannen. Alle Motoren wurden abgestellt und dann ging das Licht aus. Nach rund 15 Minuten meldete sich endlich der Kapitän und sagte, dass es kein Feuer gegeben hat, sondern eine Brennstoffleitung gerissen wäre und das Schweröl auf den heißen Motoren eine starke Rauchentwicklung verursachte. Nach rund einer Stunde konnten wir die Rettungswesten wieder ablegen und die Rettungsboote wurden wieder hochgezogen.

Der ganze Maschinenraum musste erst gereinigt werden und nach drei Stunden konnten wir mit reduzierter Geschwindigkeit weiterfahren. Wie wir später erfuhren, hatten insgesamt 43 Rauchmelder angesprochen. Da die Stromversorgung für die Küche und die Restaurants nicht funktionierte, gab es zum Mittag nur kalte Salate von Papptellern und Mineralwasser aus Flaschen. Beim Essen erfuhren wir von unserem Tischnachbarn, dass er während des Feueralarms im Aufzug eingeschlossen war und erst nach 35 Minuten befreit werden konnte (Abenteuerurlaub pur).

Am Abend kam dann die Meldung, dass der Schaden im Maschinenraum doch größer ist, als nur die defekte Brennstoffleitung. Der heiße Öldampf hat viele elektrische Geräte beschädigt. Zum Glück konnten wir mit reduzierter Geschwindigkeit bis Mindelo auf den Kapverden weiterfahren. AIDA hatte in der Zwischenzeit Techniker und Spezialisten einfliegen lassen, die beim Anlegen schon mit ihren Koffern bereit standen. Am Abend wurden wir mit Shuttlebussen zu Restaurants gefahren, wo wir kostenlos bewirtet wurden.

Am nächsten Morgen landete auch schon ein Flugzeug mit Ersatzteilen und am Mittag wurden weitere Spezialisten eingeflogen. Die Ersatzteile standen allerdings noch acht Stunden beim Zoll. Normalerweise landet hier nur eine Maschine am Tag. Wenn dann plötzlich zwei oder drei Maschinen ankommen, sind die Zöllner völlig überfordert.

Wer wollte, konnte mittags und abends mit dem Shuttlebus zu den Restaurants fahren und dort kostenlos speisen. Wir blieben aber an Bord und begnügen uns mit Kleinigkeiten auf dem Pooldeck. Der Chefkoch hatte auf dem Fischmarkt einen 120 kg schweren Thunfisch gekauft und auf dem Pooldeck fachgerecht zerlegt und auf einem Gasgrill gebraten. Dazu gab es verschiedene Salate. Frühstücken konnten wir weiter an Bord. Das Brot wurde von den örtlichen Bäckereien angeliefert. AIDA gab sich größte Mühe, unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. 

Wir unternahmen eine Tour mit einem Minibus durch die Umgebung von Mindelo. Nach einem einstündigen Spaziergang entlang des Fisch- und Gemüsemarktes fuhren wir zum höchsten Berg der Insel (Monte Verde). Nach einem Fotostopp ging es mit einer Panoramafahrt entlang der Küste zu kleinen Fischerdörfern und nach einem kurzen Strandaufenthalt zurück zum Schiff. Die Insel ist sehr afrikanisch geprägt. Dieselfahrzeuge haben keinen Partikelfilter, Sicherheitsgurte gibt es nicht bzw. werden nicht angelegt, Fahrradfahrer fahren im Dunkeln ohne Licht – sie haben gar keine Beleuchtung. Auf Kapverden ticken die Uhren anders als bei uns. Unser einheimischer Reiseleiter sagte: Ihr Europäer habt Uhren wir haben Zeit!

Am zweiten Tag auf Kapverden gab unser Kapitän im Theater einen Lagebericht zur aktuellen Situation. Demnach dauerten die Reparaturarbeiten voraussichtlich noch 24-48 Stunden. Insgesamt wurden drei Frachtmaschinen gechartert, um die benötigten Ersatzteile heranzuschaffen. Sogar der Vize-Präsident von AIDA kam angeflogen und brachte 4000 Brötchen aus Deutschland mit. Das waren die teuersten Brötchen, die wir je gegessen haben. Auch er hielt eine Rede und versicherte uns, dass die Reise so bald wie möglich fortgesetzt wird und alle geplanten Destinationen angefahren werden. Auch die gebuchten Ausflüge werden zeitlich verschoben stattfinden. Die Weltreise wäre mit ausreichend Pufferzeit versehen und wir würden pünktlich am 2. Februar 2019 um 8:00 Uhr in Hamburg zurück sein.

Der Kapitän sagte zwar, dass es bei dem Feueralarm kein Feuer gegeben hätte, doch wenn ich mir die Reserveteile so anschaue, dann frage ich mich: Wozu brauchen wir mehrere Rollen Hochspannungskabel? Hier wurde wohl so einiges unter dem Tisch gehalten, um den Imageschaden so klein wie möglich zu halten.

Am dritten Tag auf Kapverden haben wir eine Tour zu Fuß durch Mindelo gemacht. Wenn man so alleine geht, kann man sich die Ziele besser aussuchen und dort stehen bleiben wo man möchte. So konnten wir viele Eindrücke über das Leben der Menschen hier auf der Insel gewinnen. Wir haben uns mittags und abends am Pooldeck eine Kleinigkeit vom Gasgrill geholt. Das Gedränge in den Shuttlebussen und Restaurants bei der Hitze war nichts für uns.

Am nächste Tag haben wir eine vierstündige Tour mit einem Geländewagen durch Sao Vicente gemacht. AIDA hat keine Kosten gescheut und je zwei Passagiere auf einen Wagen mit Fahrer verteilt. Normalerweise fahren vier Passagiere mit einem Wagen. Es ging größtenteils offroad durch die Vulkanwüste und auf steilen Pfaden durchs Gebirge. Von uns hätte sich keiner getraut dort selber zu fahren. Die Tour hat uns sehr gut gefallen und den weiteren Liegetag voll entschädigt.

Sao Vicente

Am Nachmittag kam eine weitere Frachtmaschine mit Ersatzteilen aus Norwegen, sowie weitere Spezialisten aus Italien, die das Reparaturteam unterstützen sollen. Auch weitere Reiseberater sind aus Rostock eingeflogen worden, um das völlig überlastete Team an der Rezeption zu unterstützen. Leider flippen viele Reisende bei solchen Situationen völlig aus und beschimpfen unverständlicherweise die Crew, die nichts dafür kann. Insgesamt sollen 400 Leute von AIDA rund um die Uhr mit den Reparaturarbeiten, der Ersatzteilbeschaffung, Logistik und der weiteren Tourenplanung mit den örtlichen Agenturen beschäftigt gewesen sein.

Die Restaurants wurden am vierten Liegetag sukzessiv wieder hochgefahren und funktionierten zu 90 Prozent. Am Abend gab es um 21:00 Uhr eine Informationsveranstaltung mit dem Kapitän. Er kam mit einigen Minuten Verspätung direkt vom Maschinenraum ins Theater und teilte uns mit, dass alle sicherheitsrelevanten Teile gewechselt und vom TÜV abgenommen wurden. Kleinere Schäden würden während der Fahrt behoben. Das Schiff soll mit erhöhter Geschwindigkeit fahren, wodurch zwei Seetage wegfallen. Alle gebuchten Ausflüge würden angepasst. Ab San Antonio sollten wir wieder im normalen Fahrplan liegen. Die drei zusätzlichen Tage in Mindelo wurden vom Reisepreis abgezogen und uns erstattet. Am Ende der Informationsveranstaltung bekam der Kapitän einen Anruf von der Brücke "Der Lotse ist bestellt" (was auf den Kapverden allerdings nicht viel bedeutet).

Atlantiküberquerung

Am nächsten Morgen ging es dann um 7:00 Uhr wirklich los. Wir fuhren mit seitlichem Rückenwind gut 20 Knoten und die Überfahrt nach Salvador sollte nach dem neuen Fahrplan für  12 Stunden kürzer sein. Den ganzen Vormittag haben wir auf Deck 6 gesessen und "Fliegende Fische" beobachtet. Sie springen bei Gefahr aus dem Wasser und fliegen dann mit ihren Flügeln bis zu 50 Meter weit und tauchen dann wieder ab. Auch Delfine haben uns ein Stück begleitet. Die See war ruhig, die Lufttemperatur lag bei rund 25-28 Grad.

Jedes Mal wenn wir von außen in das voll klimatisierte Schiff gingen, bekamen wir einen Kälte-Schock. Letzten Abend war im Marktrestaurant "Skandinavisch" angesagt. Es gab Hirschkeule mit Rotkohl, Wildschwein mit Preiselbeeren und ein dänisches Pilzragout. Ich konnte mich nicht entscheiden und habe nacheinander alles probiert. Dazu eine halbe Karaffe Rotwein und als Nachtisch 3 Kugeln Eis mit Krokant und Schokoladensplittern. Danach wusste ich, wie eine Frau sich im 9. Monat fühlt.

Da die Simatic-Station zum Bezahlen der Waschmaschinen und Trockner nach dem Brand nicht funktionierte wurden diese dauerhaft freigeschaltet und wir konnten kostenlos waschen. Der Ansturm war dementsprechend groß. Ohne Ritterrüstung hat man da tagsüber fast keine Chance. Da ich in dieser Nacht mit dem vollen Magen unruhig schlief, bin ich nach Mitternacht aufgestanden und habe eine Maschine Wäsche gewaschen. Der Waschsalon war jetzt leer. Es sind ganz tolle Industriemaschinen von Elektrolux. Ein Waschvorgang dauert nur 35 Minuten. In der Zwischenzeit habe ich im Fitnessraum das Abendessen abtrainiert. Nachdem ich den Trockner angeschmissen hatte bin ich duschen gegangen und habe danach die fertige Wäsche abgeholt. Da die Borduhren in der Nacht eine Stunde zurückgedreht wurden, merkte ich am nächsten Morgen von der Schlafunterbrechung nichts.

Nach drei Seetagen haben wir am 23. Oktober den Äquator überquert und es gab natürlich eine Äquatortaufe. Neptun, der Herr der Meere, kam persönlich mit seinem Gefolge auf das Pooldeck und taufte uns mit einer Klobürste auf meerestypische Namen. Die Taufurkunden wurden von unserem Edutainer Anderson Farah gestaltet und signiert. Bei der Äquatorüberquerung sind wir vom Herbst in den Frühling gefahren. Der Wind hatte inzwischen auf Süd gedreht und machte der alten Dame ganz schön zu schaffen, die 20 Knoten zu halten.

Am Äquator ging die Sonne schon um 16:30 Uhr unter. Übrigens hat man hier nur wenige Minuten Zeit, um einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Wenn der Feuerball den Horizont berührt, dann ist er wenige Minuten danach nicht mehr zu sehen.

Brasilien

Obwohl alle Hebel auf dem Tisch lagen und die vier Maschinen an ihrer Leistungsgrenze arbeiteten, kamen wir erst mit drei Stunden Verspätung in Salvador an. Der Kapitän hatte schon überlegt, Salvador nicht anzufahren und direkt Rio anzusteuern. Allerdings hätten wir dann zwei Seetage am Stück mehr gehabt.

 Schon beim Frühstück gab es etwas Neues. Die Besteckständer im Restaurant waren verschwunden. Wegen den behördlichen Bestimmungen in brasilianischen Gewässern lag das Besteck nun in Bestecktaschen auf dem Tisch. Gleich nach der Ankunft im Hafen ging es mit dem Bus durch die Innenstadt und zu den Sehenswürdigkeiten. Nach einem einstündigen Rundgang durch den historischen Altstadtkern fuhren wir zur Küste zu einem alten Leuchtturm. Überall standen Leute herum, die uns anbettelten oder uns etwas verkaufen wollten. Auf vielen Plätzen und am Markt wurde Samba gespielt. Zum Schluss bummelten wir noch über den Markt und traten dann die Rückfahrt zum Schiff an. Sehenswert waren die leuchtend bunt gestrichenen Barockbauten und die vielen Gassen in der Altstadt.

Salvador

Bei unserem Ausflug in Salvador erzählte uns unser deutschsprachiger Reiseleiter, dass die Tiefsttemperatur im Jahr bei rund 20 Grad liegt. Im Jahr 2017 wurde ein 50jähriger Rekord gebrochen und die Temperatur fiel auf einen Tiefstwert von 18,8 Grad (plus). Daraufhin beschloss der Bürgermeister von Salvator den Schülern "Kältefrei" zu geben. Der Reiseleiter war schon mehrmals in Deutschland, davon zweimal im Winter. Er war überwältigt von dem Schnee auf den Bäumen und konnte es gar nicht fassen, dass unsere Schüler bei Schnee zur Schule gehen müssen.

In Salvador gibt es eine so genannte Touristen-Polizei, die an touristischen Sehenswürdigkeiten stehen und auf die Touristen aufpassen, denn hier ist die Kleinkriminalität sehr hoch. Wir sollten auch alle Wertgegenstände auf dem Schiff lassen. Meine Spiegelreflexkamera habe ich erst gar nicht mitgenommen. Es war sehr interessant, die afrobrasilianische Kultur mal kennen zu lernen, aber ein Highlight war es für uns Nordlichter nicht.

Auf dem Weg nach Rio de Janeiro kam der Wind von Nord und schob das Schiff bei leichtem Wellengang zu unserem nächsten Ziel. Am Abend des letzten Seetages wurden die Wellen etwas höher und das Schiff schaukelte ein wenig. Es war nichts Dramatisches, nur für gebrechliche Menschen wird es manchmal zu einem Problem. So kam es beim Abendessen zu einem kleinen Unfall. Eine Frau schaukelte gerade vom Menü zurück und fiel dabei hin. Wir wollten ihr beim Aufstehen helfen, doch die Frau bewegte sich nicht und ließ sich auch nicht mehr ansprechen. Erst nach gut einer Minute kam sie wieder zu sich. Eine Hand blutete von dem zerbrochenen Geschirr und ein Arm tat ihr weh. Die herbeigerufene Schiffsärztin holte sie wenig später mit einem Rollstuhl ab. Wie wir am nächste Tag erfuhren, war sie nicht schlimm verletzt, hatte nur einen kleinen Schock. Schon bei der ersten Seenotrettungsübung ist uns aufgefallen, dass so eine Kreuzfahrt nichts für Gebrechliche und Rollstuhlfahrer ist. Die Crew musste diese Leute übers Treppenhaus zur Musterstation tragen. Ein Rollstuhlfahrer lässt seinen Rollstuhl immer vor der Kabine stehen, damit er drinnen mehr Platz hat. Er vergisst dabei, dass die Wege auch Fluchtwege sind und bei Beleuchtungsausfall zu einem ernsten Problem werden können.

FregattvogelWegen des günstigen Rückenwindes sind wir schon eine Stunde früher als geplant in Rio de Janeiro eingelaufen. Die rund einstündige Einfahrt in den Hafen von Rio wurde von unserem Lektor über die Lautsprecheranlage kommentiert. Der Zuckerhut war zum Greifen nah. Der weiße Sandstrand an der Copacabana ist über vier Kilometer lang. Dahinter stehen unzählige Hochhäuser und Hotels aneinandergereiht.

Am zweiten Aufenthaltstag machten wir am Morgen einen vierstündigen Ausflug zur Christus-Statue. Mit dem Bus ging es auf einer 16-spurigen Hauptstraße durch die Innenstadt von Rio zur Bahnstation im Corcovado Nationalpark und von dort mit einer Zahnradbahn durch den Tijuca-Regenwald auf den Berg. Unterwegs hatten wir einen Affen im Baum sitzen gesehen. Leider war die Kamera nicht sofort schussbereit und wir haben kein Foto machen können. Mit einem Aufzug und zwei Rolltreppen kamen wir schließlich auf die Aussichtsplattform und hatten eine wunderbare Aussicht auf Rio de Janeiro, die Copacabana und den Zuckerhut. Unser kompetenter Reiseleiter gab uns einen sehr umfassenden Überblick über Land und Leute. Mit einer Panoramafahrt vorbei an den Stränden von Rio ging es dann zurück zum Hafen. Nach einem spannungsgeladenen Wahlkampf in Brasilien mit Beschimpfungen und Gewalt war am Wahltag überall die Polizei präsent.

Am letzten Abend in Rio hat AIDA lokale Sambatänzer engagiert, die uns eine kunterbunte Show auf dem Pooldeck boten. Ich kann nur sagen: Je oller, desto doller. Vor allem die älteren Männer wollten sich gerne mit einer der nur spärlich bekleideten Frauen fotografieren lassen. Um 20:00 Uhr hieß es dann bei der traditionellen Auslaufmelodie "Leinen los" und "Tschüss Rio"! Wir warfen noch einen letzten Blick auf den Sternenhimmel, bevor wir ins Bett gingen.

Uruguay

Nach zwei Seetagen (die wir auch brauchten, um die neuen Eindrücke zu verarbeiten) hat AIDAaura bei einem fantastischen Sonnenaufgang in Uruguays Hauptstadt Halt gemacht. Am Kai standen schon 18 Container mit Lebensmittel aus Deutschland, die darauf warteten in Aura’s Bauch geschoben zu werden. Bei Selection-Fahrten werden auch immer regionale Lebensmittel eingekauft, wie z.B. die Maracuja, die hier so groß ist wie eine Pampelmuse. Sie schmeckt so ähnlich wie der an der Ostsee wachsende Sanddorn und ist sehr reich an Vitamin-C. In Uruguay ist das Klima sehr angenehm und nicht so tropisch wie in Brasilien. Da wir nicht immer nur Bustouren machen wollten, haben wir heute an einer Radtour rund durch Montevideo teilgenommen. Bei rund 16 bis 19 Grad und trockenem Wetter hat die Tour richtig Spaß gemacht. Auch mussten hier nur 130 Höhenmeter bewältigt werden. Einmal sind wir jedoch richtig nass geworden, als wir auf der Heimfahrt an der Strandpromenade von größeren Wellen überrascht wurden, die über die Promenade bis auf die Straße schossen und wir von Kopf bis Fuß mit Salzwasser überspült wurden.

Montevideo

Da wir erst ‪um 19.00 Uhr auslaufen wollten, gingen wir zum Abschluss noch im Hafenviertel spazieren. Die Hauptstadt Montevideo mit ihrer spanischen Architektur und historischem Stadtkern ist sehr europäisch geprägt – ganz im Gegensatz zu Brasilien. Hier gibt es auch nur ganz wenige Bettler. Unser Guide sagte: "Uruguay ist die Schweiz von Südamerika". Übrigens kann ich bestätigen, was wir alle in der Schule gelernt haben: Die Sonne steht auf der Südhalbkugel mittags im Norden.

Argentinien

Nachts ging es dann weiter über die Bucht nach Buenos Aires. Da die Wassertiefe in der Bucht nur sehr gering ist, kann man nicht auf direktem Weg dorthin fahren, sondern muss einen großen Umweg durch gebaggerte Fahrrinnen nehmen. Die Überfahrt nach Buenos Aires war ganz schön schauklig. Wir hatten Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.

Da wir in einem Containerhafen festmachten mussten wir erst mit einem Shuttlebus vom Hafengelände gefahren werden. So bekamen wir eine kostenlose Hafenrundfahrt dazu. Anschließend ging es mit dem Bus durch die sehr laute Stadt. Überall und an jeder Kreuzung wurde gehupt. In Buenos Aires gibt es eine 14-spurige Straße durch die Innenstadt. Im Hafenviertel "La Boca", einem ehemaligen Einwandererviertel, stehen viele Häuser die aus dem Wellblech alter Schiffe gebaut und mit Schiffslack bemalt wurden. Nach dem Besuch einer großen Kathedrale stiegen wir auf ein Ausflugsboot und fuhren bei sonnigem Wetter über die Wasserwege des Tigre-Deltas. Das Flussdelta besteht aus unzähligen Kanälen, Flüssen und Bächen, die sich ihren Weg durch die Landschaft bahnen. Auf unzähligen Inseln, die teilweise durch Stege und kleine Brücken verbunden sind, stehen viele Ferien- und Wochenendhäuser der oberen Bevölkerungsschicht. Die Inseln können nur mit dem Boot oder dem Wassertaxi erreicht werden. Es ist so ähnlich wie der Schärengarten vor Stockholm, nur mit einer anderen Vegetation und nicht so sauberem Wasser.

Um 22:00 Uhr ging es weiter Richtung Puerto Madryn. Je weiter wir nach Süden fuhren, desto kälter wurde es. Auf dem Pooldeck mussten wir am nächsten Tag schon eine Jacke anziehen. Aber die Tage wurden auch wieder länger. Eigentlich wollten wir am Sonntagmorgen in Puerto Madryn anlegen. Doch es zog ein Sturmtief von Kap Horn in unsere Richtung und wir hätten in dem kleinen Hafen von Puerto Madryn keine Schlepperhilfe beim Einlaufen bekommen können. Also gab der Kapitän die Order "Alle Hebel auf den Tisch" und wir erreichten den Hafen schon am Samstagabend gegen 23:00 Uhr. Zwischendurch zogen sich die Wolken zusammen und es wurde nebelig. Das passiert immer wenn kalte Luft auf warmes Wasser trifft. Zur Sicherheit ertönte alle zwei Minuten das Nebelhorn der Aura. Doch schon beim Einlaufen am Abend in die Bucht von Golfo Nuevo verzog sich der Nebel und wir hatten einen wunderbaren Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen wurde es dann richtig windig. Bug- und Heckstrahlruder drückten die Aura den ganzen Tag über bis zum Ablegen gegen den Wind an die Pier, um die Trossen zu entlasten. Auf dem Bugwulst hatten es sich Robben gemütlich gemacht. Eigentlich ist es verboten den Bugwulst zu betreten, aber wie soll man es diesen Tieren beibringen?

Muerto Madryn

Puerto Madryn ist ein Seebadeort mit schönem Sandstrand, wo viele Argentinier ihre Ferien verbringen. Hier gibt es das ganze Jahr über nur ganz wenig Niederschlag. Fast das ganze Jahr über leben hier Seelöwen, Robben, Wale, See-Elefanten und viele Seevögel. Auf der Halbinsel Valdés liegt die größte Brutstätte Südamerikas für Magellanpinguine.

Am Vormittag ging es mit dem Autobus größtenteils auf Schotterpisten zur Halbinsel Valdés, wo wir eine Seelöwenkolonie besuchten. Wir konnten zahlreiche Schnappschüsse machen. Anschließend fuhren wir zu einer Schaf-Farm, wo wir an einer Schafschur-Demonstration beiwohnten. Hier lebt auch ein Guanako. Das Tier schaute mich so süß an, dass ich es streicheln wollte. Doch als ich darauf zuging, spuckte es mich an. Nach einer kurzen Snakpause mit Tee und argentinischem Gebäck fuhren wir zu einem Museum zur Tier- und Pflanzenwelt dieser Region (hätte man auch auslassen können). Um 16:30 fuhr der letzte Shuttle-Bus zurück zum Schiff und um 18:00 Uhr hieß es "Leinen los".

Am  Abend nach unserem Auslaufen aus Puerto Madryn begeisterte uns der Europameister der Elvis-Darsteller in seiner Abendshow mit Highlights des King of Rock and Roll. Nach der Show gingen wir über das Treppenhaus in Richtung unserer Kabine, als wir plötzlich "Smoke on the water" hörten. Wir schauten uns nur kurz an und flugs waren wir zwei Decks höher in der AIDA-Bar, wo eine Gruppe bekannte Songs spielten. So endete unser Abend spät gegen 23:00 Uhr.

Der erste Seetag nach Puerto Madryn verlief unspektakulär. Die alte Lady kämpfte gegen den Wind und die Strömung war meist auch gegen uns. Je nach Ebbe oder Flut strömt hier das warme Wasser des Golfstroms von Norden her oder das kalte Wasser von der Antarktis und es kommt dadurch zu Wirbelströmen. Am Abend ging ich mal wieder in den Waschsalon um eine Maschine zu waschen. Die Waschmaschinen sind immer noch wegen der elektrischen Störung an der SPS freigeschaltet, nur das Waschmittel muss über die Bordkarte bezogen werden. Also habe ich bezahlt, aber es kam nur ein gehäufter Teelöffel Waschpulver aus dem Automat. An der Rezeption sagte man mir, dass der Fehler bekannt ist und ich müsse die Bordkarte von dem Umhängeband abnehmen und dann in den Automat stecken. Da fühlt man sich natürlich ein bisschen verschaukelt. Aber ich habe es trotzdem versucht, mit dem gleichen Ergebnis. Jetzt hatte ich zwei Teelöffel Waschpulver. Also ging ich wieder zur Rezeption, die dann einen Elektriker schickten. Statt die Auslaufdüse zu reinigen, suchte dieser den Fehler an der Steuerung. Bei mir stieg der Blutdruck und ich schmiss die Maschine dann mit nur zwei Teelöffeln Waschpulver an und bin gegangen.

In der folgenden Nacht und am zweiten Seetag auf dem Weg nach Feuerland wurde es richtig ungemütlich. Der Wind drückte mit gut 80 km/h auf die Steuerbordseite. An der Nordsee würde man sagen: der "Blanke Hans" fegt über das Land. Die Gischt fegte über alle Außendecks und überzog diese mit einer weißen Salzkruste. Man konnte nichts anfassen, ohne weiß zu werden. In den Restaurants waren die Teller in den Tellerspendern mit Expandergurten gesichert. Am Nachmittag änderte das Schiff den Kurs von Süd nach West und wir hatten den Wind dann von vorne, so dass die Rollbewegungen aufhörten. Kurz nach Sonnenuntergang machten wir dann im Hafen von Ushuaia fest.

Feuerland

Feuerland ist eine karge Insel an der Südspitze von Argentinien, wo eigentlich nichts passiert, außer das der PinguinWind weht und am Horizont die Welt aufhört. In der menschenleeren Einöde des Nationalparks gibt der Winter seine Herrschaft nie ganz auf. Südlich von Feuerland liegt das bei Seefahrern gefürchtete Kap Horn – das größte Seemannsgrab der Welt. Die raue Landschaft Feuerlands mit seinen schneebedeckten Bergen und vielen Fjorden ist phantastisch schön und ähnelt vom Meer aus der isländischen Küste, nur ist sie hier bis rund 600 Meter Höhe bewaldet. Ushuaia liegt zwischen den Ufern des Beagle-Kanals und ist die südlichste Stadt der Welt und auch der südlichste Punkt unserer Reise.

Am nächsten Tag machten wir bei besserem Wetter mit einem Motorkatamaran von Ushuaia aus einen sechsstündigen Ausflug durch den Beagle-Kanal zu einer Insel mit einer Seelöwenkolonie und fuhren weiter durch den Mackinlay-Pass zu einer weiteren Insel, wo wir Magellanpinguine beobachten konnten. Im Zauber der Mittagssonne breitete sich ein goldenes Vlies über die Berge und den Sund. Die Pinguine wirkten mit ihren kurzen Beinen irgendwie unbeholfen. Die coolen Frackträger streckten ihre stummeligen Flügel meistens seitlich vom Körper weg, um ihr Gleichgewicht besser zu halten. Wir hätten stundenlang zugucken können. Durch Zufall konnte ich auch einen Geier fotografieren. Ushuaia hat uns sehr gut gefallen und ist für mich das größte Highlight auf dieser Reise. Hier wäre ich gerne noch einen oder zwei Tage länger geblieben.

Chile

AIDAaura verließ am Abend Argentinien in Richtung zur südlichsten Großstadt der Welt, Punta Arenas. Beim Abendessen bemerkten wir, dass die Aura auf einmal ganz langsam fuhr. Nach einiger Zeit kam eine Durchsage vom Kapitän, der uns mitteilte, dass unser Schiff keine Durchfahrtserlaubnis durch die chilenischen Gewässer habe, obwohl schon zwei chilenische Lotsen an Bord waren. Nach gut einundeinhalb Stunden und vielen Gesprächen zwischen der Brücke, Rostock und den chilenischen Behörden meinte ein Lotse, wir sollten einfach weiterfahren, es sei ein Behördenfehler. Später meinte unser Lektor, er habe das schon mal so erlebt. Die chilenische Regierung lässt ausländische Kreuzfahrtschiffe bei Tageslicht nicht an den Gletschern vorbeifahren, um die heimische Schifffahrt zu schützen. Ob es wirklich stimmt weiß ich allerdings nicht.

Beagle-Kanal

Am nächsten Morgen fuhren wir vom Beagel-Kanal in die Magellanstraße und warteten auf den Hafenlotsen, der auf sich warten ließ. Wir hörten immer wieder während unserer Reise, dass eine brasilianische Stunde drei deutschen Stunden entspreche und jetzt sagte man immer öfter, eine argentinische Stunde sind zwei deutsche Stunden. Als das kleine Lotsenboot dann endlich kam, hatte es bei den hohen Wellen ganz schön Schwierigkeiten nahe genug an die Aura zu kommen, um den Hafenlotsen überzusetzen. Wir fuhren wegen des starken Windes nicht an die Pier sondern lagen etwa einen Kilometer vor der Pier vor Anker. Das Brückenteam beriet sich unterdessen, wie es weitergehen sollte. Mit Tenderbooten überzusetzen kam wegen des starken Windes nicht in Frage. Es blieb spannend, wie schon die ganze Reise.

Um die Wartezeit zu nutzen, gingen wir zum Waschsalon, um eine Maschine zu waschen. Am Waschpulverautomat kam wieder nur ein gehäufter Teelöffel Waschpulver heraus. An der Rezeption sagte man mir diesmal, dass man auch nicht mehr Waschpulver in die Maschine einfüllen dürfe. Als die junge Frau sah, dass mein Hals fast platzte und ich gerade dabei war über die Theke zu springen, rief sie dann doch lieber einen Elektriker. Dieser kam auch ziemlich schnell und schloss den Kasten auf. Diesmal stellte ich mich dicht neben den Monteur und es war sofort ersichtlich, dass alles Waschpulver verklumpt war. Mittags meldete sich der Kapitän und sagte uns, dass es in den nächsten acht Stunden keine Wetterbesserung gäbe und wir weiterfahren würden. Den gebuchten Ausflug mit dem Cross-Rad durch Punta Arenas haben sie mir erstattet. Für den Rest des Tages wurde sofort ein neues Programm erstellt.

Wir fuhren dann mit verminderter Geschwindigkeit weiter durch die wunderschöne Magellanstraße mit ihren vielen kleinen Inseln, Buchten und einsamen Fjorden mit schneebedeckten Bergen. Wir zweigten kurz in den Peel-Fjord (Seitenarm des Sarmiento-Fjords) ein, wo kleine Eisberge schwammen und fuhren bis zum Amalia-Gletscher, dessen blauweiße Gletscherzunge bis an den Fjord reicht. Hier war es plötzlich ganz windstill. Wie ein dunkler Spiegel ruhte das Meer am Fjord. An diesem windstillen Tag verdoppelte das spiegelklare Meer Himmel und Erde. Langsam und ruhig fuhren wir auf dem spiegelblanken Wasser des verzauberten Fjords durch unverfälschte Natur. Die raue Küstenlandschaft von Chile ist überwältigend schön, unendlich lang und noch beeindruckender als in Norwegen. Nach dem Abendessen habe ich noch bis zum Sonnenuntergang an der Reling gestanden und die Ausfahrt aus dem Sund in den Pazifik beobachtet. Es war wunderschön und die Eindrücke werden sich in meinem Gedächtnis einbrennen.

Amalia-Gletscher

Kaum waren wir auf dem Pazifik, da wurde es auch wieder wärmer und der Wind wehte nur ganz schwach. Der Humboldtstrom half der Aura beim Vorwärtskommen, so dass sie sich mit nur drei Generatoren begnügte. An der chilenischen Küste begleiteten uns eine ganze Weile Wanderalbatrosse. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,60 Meter sind sie die größten Vögel der Welt.

Alle, die auf dieser Weltreise Geburtstag hatten, wurden am 18. Seetag ins Theater zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Ein Kapitänsdinner, so wie im Fernseher, gibt es auf der AIDA nicht (zum Glück). Unser Kapitän hat auf dieser Abenteuerreise auch wichtigere Sachen zu tun. Aber der Chefkoch kam zur Begrüßung mit seinen Gehilfen und trug eine riesige Geburtstagstorte herein, begleitet von der originalen Traumschiffmelodie.

Am Nächsten Tag erreichten wir mittags Puerto Montt. Da es dort kein Kreuzfahrtpier gibt, mussten wir mit den Tenderbooten übersetzen. Ich nahm an einer Erkundungstour mit dem Cross-Rad durch Puerto Montt teil. Wir fuhren bei schönem Wetter durch verschiedene typisch chilenische Stadtviertel und durch die Altstadt. Dann ging es 270 Meter rauf zu einem Aussichtspunkt über die Stadt. Für ein einfaches 11-Gang Crossrad war die Strecke eigentlich zu steil. Einmal musste ich absteigen, weil mir die Puste ausging. Einige in der Gruppe beschwerten sich bei unserem Scout, weil in der Routenbeschreibung von einem leichtem Anstieg die Rede war. Die Menschen auf der Straße waren sehr freundlich und fast alle Kinder winkten uns zu. Sie haben wohl noch nie eine Fahrradkolonne mit Helmträgern gesehen. Entlang der Promenade fuhren wir zu einem Handwerkermarkt und schließlich zurück zum Schiff.

Ein letztes "Hola" aus Chile

Auf unsere Kopfkissen wurden unsere Vornamen aufgestickt. Man lässt sich laufend etwas Neues einfallen. Nach der Reise durften wir sie mit nach Hause nehmen. Nach einem weiteren Seetag kamen wir am 13. November nach insgesamt rund 20.000 Kilometern nach Hamburg pünktlich um 8:00 Uhr Valparaisoin San Antonio an. Hier war es schon merklich wärmer und die Sonne schauter hinter den Wolken hervor. Viele Container mit Lebensmitteln warteten schon an der Pier. In Chile darf man keine Lebensmittel ins Land einführen. Falls man erwischt wird, droht eine Strafe von umgerechnet 500,- Dollar. Im Vorfeld mussten wir ein Formular ausfüllen, in dem wir erklärten, keine Lebensmittel und keine Gegenstände fremder Personen dabei zu haben. Bei unserem Landgang wurden dann tatsächlich alle Rucksäcke und Taschen von den Zöllnern kontrolliert. Wir fuhren mit dem Bus durch die Landschaft zur alten Hafenstadt Valparaiso, wo wir einen geführten Spaziergang durch ein Labyrinth enger Gassen mit bunten Häusern und kleinen Boutiquen unternahmen. Anschließend ging es mit der Standseilbahn zu den Hügeln von Valparaiso. Nachdem wir wieder im Hafen waren, machten wir noch einen kleinen Spaziergang zu dem Fisch- und Meeresfrüchtemarkt am Hafen. Interessant waren die Seelöwen, die sich direkt am Fischmarkt sonnten. Am 13. November verließen wir um 22:00 Uhr den südamerikanischen Kontinent und fuhren westwärts durch den Südpazifik zu unseren nächsten Destinationen. Von nun an lagen wir wieder im alten Zeitplan.

 

Teil 2: Von San Antonio bis Mauritius

Teil 3: Von Mauritius bis Hamburg

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