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Die Ålandfrage

In der Ålandfrage hatte die Regierung des Zaren die versprochenen Verhandlungen mit Schweden über eine Wiederherstellung des Respekts für das Befestigungsverbot von 1856 aufgeschoben. Im Winter 1917-18 befand sich die Inselgruppe einschließlich der Festungen in den Händen zurückgebliebener russischer Truppen. Die Deutschen machten im November und Dezember 1917 ein paar Vorschläge, die völlig neue Perspektiven in der Ålandfrage eröffneten. Sie erboten sich, Schweden zum Erwerb von Åland zu verhelfen. Die Vorschläge wurden abgelehnt, da die schwedische Regierung es als unvereinbar mit der Neutralität betrachtete, deutsche Hilfe zu mehr in Anspruch zu nehmen als zur Wiederherstellung und möglicherweise Verschärfung des Befestigungsverbots von 1856.

Kurz nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Finnland erschienen in der schwedischen Presse jedoch Berichte über Übergriffe der russischen Truppenverbände auf die åländische Bevölkerung. Die Åländer baten dringend um ein Eingreifen von schwedischer Seite. Sie hatten schon im Herbst 1917 den Wunsch angemeldet, die Ålandinseln Schweden anschließen zu dürfen. Ihre Muttersprache sei Schwedisch, und sie trauten der Regierung in einem selbständigen Finnland nicht zu, dass sie der schwedischsprachigen Minderheit im Lande genügend Rücksicht entgegenbringen würde. Die schwedische Regierung bezog keine Stellung zur Bitte der Åländer, sondern meinte, die Frage solle bis zum Kriegsende warten. Dagegen ergriff die Regierung die Initiative zur Evakuierung der russischen Truppenverbände von den Ålandinseln. Gleichzeitig setzte sie durch, dass ein paar kleinere weiße und rote Verbände, die vom finnischen Festland übergesetzt waren, die Inseln verließen. Statt dessen entsandte die Regierung einen schwedischen Verband von etwa 600 Mann, der den Abzug der Russen überwachen und ihre Waffenvorräte übernehmen sollte.

Mit diesem Einsatz wurde zum ersten Mal seit 1849 ein schwedischer Truppenverband kriegsmäßig ausgerüstet und mit Aufgaben auf fremdem Boden betraut. Dieses Mal geschah es allerdings ohne jede Einladung von Seiten des gastgebenden Landes. Weder das rote Volkskommissariat in Helsinki noch die gesetzliche Regierung in Vaasa konnten irgendwelche faktische Autorität auf den Ålandinseln ausüben. Die schwedische Regierung berief sich auf die Notwendigkeit, schnell zu handeln, um den Frieden auf den Ålandinseln zu gewährleisten, und unterließ es, sich mit der Regierung in Vaasa zu verständigen. Sowohl in Finnland wie in Deutschland wurde dies als eine Art und Weise aufgefasst, die weiße Regierung vor vollendete Tatsachen zu stellen und die Ålandinseln, ohne deutsche Hilfe jedoch, unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker, im Alleingang Schweden einzuverleiben. Wenn es in einigen Kreisen innerhalb der schwedischen Regierung solche Absichten gegeben haben sollte, konnten sie auf jeden Fall nicht voll zur Ausführung kommen. Schon im März 1918 setzten die Deutschen eigene Truppen auf den Ålandinseln an Land, und im Mai, als der Bürgerkrieg sich seinem Ende näherte, konnte die Regierung in Vaasa finnische Truppen nach Åland entsenden. Der schwedische Verband wurde am 16. Mai von den Ålandinseln abgezogen.

Die schwedische Regierung nahm sich also gewisse Freiheiten, was die Ålandinseln betrifft. Dies führte zu Misstrauen in Finnland, hatte aber sonst keine bestehenden Folgen für die Neutralitätspolitik. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Frage der Staatszugehörigkeit der Ålandinseln bei der finnischen Regierung zur Sprache gebracht. Es wurde aber keine Einigkeit erzielt. Der gerade erst gebildete Völkerbund bestimmte schließlich 1921, dass die Inseln zu Finnland gehören sollten. Finnland musste jedoch ein Abkommen mit Schweden über Garantien für die Autonomie und die schwedische Kultur und Sprache der Bewohner der Ålandinseln treffen. Die Erfüllung dieser Garantien sollte vom Völkerbund überwacht werden. Der Beschluss des Völkerbundes enthielt auch Bestimmungen, nach denen die Inseln demilitarisiert werden sollten. Das Befestigungsverbot von 1856 wurde daher durch eine internationale Konvention über die Ålandinseln zu einem fast vollständigen Verbot für militärische Anlagen aller Art oder die Stationierung von Truppen auf den Inseln erweitert. Gleichzeitig wurden die Inseln neutralisiert, d. h. jeder Angriff oder Versuch, die Ålandinseln zu militärischen Zwecken zu nutzen, wurde verboten.

© Krister Wahlbäck

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