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Das Eishotel in Jukkasjärvi

Seit 1990 wird jedes Jahr in Jukkasjärvi, 200 km nördlich des Polarkreises, ein 8000 Quadratmeter großes Eishotel gebaut - ein Hotel, das nur aus Schnee und Eis besteht. Von Weitem sieht es aus wie ein überdimensionales Iglu. Eines der schönsten Bauwerke der Erde – ein Weltwunder aus Eis. Das Riesen-Iglu samt Restaurant, Kino, Eistheater, Kapelle, Skulpturengalerie und 80 Zimmern, wird aus ca. 35.000 Tonnen Eis und Schnee aufgebaut. Es ist die größte Idee, die der Bildhauer und Designer Arne Bergh und der Eisarchitekt Åke Larsson je hatten und gleichzeitig eines der verrücktesten Ideen der Architekturgeschichte. Das Gebäude wurde jedes Jahr größer und schöner als im Jahr zuvor. Mittlerweile haben die Planer aber ihr Limit erreicht. Aus Platzgründen kann das Hotel nicht noch größer werden, obwohl die Nachfrage da wäre. Im Frühjahr wird dann alles schmelzen und wieder zu dem werden, was es einmal war.

In Jukkasjärvi, in Schwedisch-Lappland, herrscht fast das ganze Jahr über Winter. Acht Monate im Jahr ist die Erde hier mit Schnee bedeckt. Mitten im Winter, bei -40 Grad ist es hier einer der kältesten Orte Schwedens.

Kurioserweise wird im Frühling, wenn es fast zu Tauen beginnt, mit dem Bau des Eishotels begonnen. Das Eis verträgt keinen abrupten Temperaturwechsel. Aus diesem Grund wird es im Frühling geschnitten, wenn die Luft genauso kalt ist (-5°C), wie der Fluss. Würde man es mitten im Winter bei -40 Grad herausschneiden, bekäme es an der Luft sofort Risse. Das klare Wasser ergibt zusammen mit der starken Strömung des Torne besonders klares Eis, das mit speziellen Kettensägen aus dem Fluss geschnitten wird. Jeder Block ist 2 Kubikmeter groß und wiegt fast 2 Tonnen. Sie werden in einem riesigen Kühlhaus bei konstant -5 Grad aufbewahrt. Die Entnahme aus dem Fluss bringt die empfindliche Eisstruktur durcheinander. Bevor man das Eis verwenden kann, muss es sich erst auf die neue Umgebung einstellen. Wenn man das Eis jetzt bearbeiten würde, gäbe es sofort Risse. Das Eis bleibt 6 Monate im Lager, wo es genug Zeit zum Ruhen hat. Auf der einen Seite ist Eis sehr empfindlich, aber wenn es abgelagert ist, ist es so belastbar, wie Beton. Das Eis wird eigentlich nur der Natur für ein paar Monate entliehen. Aus dem Torne kommt das Eis und in den Torne geht es wieder zurück.

Für eine Fläche von 8000 m2 werden mehr als 3500 Tonnen Eis verbaut. Zusammengehalten wird das Ganze von 35.000 Kubikmetern Schnee. Durch die globale Erderwärmung wird die Zeit, in der man in Jukkasjärvi Bauen kann, jedes Jahr kürzer. Ende Oktober, Anfang November kommt ein Team aus Architekten, Handwerkern und Künstlern aus der ganzen Welt nach Jukkasjärvi um mit den Bauarbeiten des Eishotels zu beginnen. Der Schnee zum Bau des Eishotels wird aus einer Mischung von Eis und Schnee hergestellt.

Dazu werden 1500 Liter Wasser pro Minute aus dem Torne in leistungsstarke Schneemaschinen gepumpt. Unter gewaltigem Druck wird das Wasser durch hunderte kleiner Düsen versprüht. Bei Kontakt mit der eiskalten Luft wird daraus künstlicher Eisschnee. Dreimal so schwer, wie normaler Schnee, verdichtet er sich zu Material, dass fast so belastbar ist, wie Eis. Die Maschinen erzeugen während der Bauzeit soviel Schnee, dass es für 35.000 Schneemänner reichen würde.

Das Hotel basiert auf einem der ältesten und einfachsten Formen der Architekturgeschichte – dem Kettenbogen. Ein Kettenbogen entspricht der natürlichen Form einer an zwei Punkten aufgehängten Kette. Auf dem Kopf gestellt ergibt sich daraus die stabilste, selbsttragende Bogenform. Der Kettenbogen beschreibt eine perfekte Kurve. Er kommt ohne Verstärkung oder Stützpfeiler aus. Die gewaltigen Bogenformen aus Blech werden zusammengeführt und mit den Schneekanonen tonnenweise Schnee auf sie geschleudert. Nach etwa 2 Tagen ist der Kunstschnee auf den bis zu 5 Meter hohen Bogenformen ausgehärtet und die Formen werden herausgezogen. Richtig stabil werden die Korridore erst mit den riesigen Eisblöcken aus dem Torne. Sie werden zu Säulen für die Haupthalle verbunden, die das Dach tragen. Verbunden werden die 2 Tonnen schweren Eisquader mit Wasser. Wenn man Wasser hinzu gibt, friert das Eis zusammen. Die Flure werden durch 50 cm dicke Wände aus Kunstschnee in einzelne Zimmer unterteilt. Schneekanonen blasen das Material in die Holzverschalungen. Nach und nach nehmen die 80 Zimmer Gestalt an. Über Nacht härtet der Schnee aus, sodass am nächsten Morgen die Verschalung entfernt werden kann. Die Fenster werden von klaren Eisquadern hergestellt. Da es in dieser Jahreszeit nur wenige Stunden Tageslicht gibt, wird die meiste Zeit mit künstlichem Licht gearbeitet.

Die Räume werden von internationalen Künstlern mit atemberaubenden Eisskulpturen geschmückt. In Jukkasjärvi kommen Künstler aus der ganzen Welt zusammen und schaffen die einzigartigen Eisskulpturen. Bei -10 Grad ist es perfekt zum Verarbeiten. Im Schnee befinden sich kleine Luftbläschen, die die Räume isolieren. So bleibt die Temperatur konstant bei -5 Grad. In die Schneewände werden Glasfaserkabel und LED-Lampen eingebaut. Sie erzeugen kaum Wärme und erleuchten die Skulpturen von innen. Jeder Raum sieht anders aus - der eine inspiriert von einem Wikingerschiff, der andere erinnert an das Reich einer Meerjungfrau. Der imposante Kronleuchter aus Eis in der Haupthalle ist das Einzige, was jedes Jahr gleich bleibt. Alles andere wird nur für das diesjährige Eishotel gebaut. Für die Gäste ist es ein einmaliges Erlebnis. Man schläft in einem Kunstwerk.

Treffpunkt der Hotelgäste ist die Eisbar. Hier gibt es nur Hochprozentiges, denn Getränke ohne Alkohol würden in den eisigen Trinkgefäßen einfrieren. Jedes Glas besteht aus dem gleichen Eis wie das Hotel. In einer nahe gelegenen Fabrik werden jährlich 800 Tonnen Eis zu fast 1 Millionen kristallklaren Gläsern verarbeitet. Sie werden benutzt und schmelzen dahin, wie alles andere hier.

Viele Gründe führen die Gäste zum Eishotel, doch es gibt keinen besseren Grund, als eine Hochzeit. Eine Kirche aus Eis, überdacht von einer 10 Meter Kuppel aus Schnee, die auf 6 m hohen Pfeilern aus Eis ruht, umschlossen von einem kreisförmigen Säulengang, ein majestätischer Altar aus Eis bildet den spirituellen Mittelpunkt. Einige Reiseagenturen bieten die Hochzeitszeremonie auch mit deutscher Übersetzung des Reiseleiters an. Geschlafen wird mit voller Bekleidung in Polarschlafsäcken auf Renntierfellen, die gut die Kälte isolieren. Dusche und WC befinden sich verständlicherweise in einem separaten Trakt, der nicht aus Eis besteht.

Die Zimmer können von Mitte Dezember bis Mitte April gebucht werden. Das Eishotel zählt ca. 14.000 Übernachtungen pro Saison und zusätzlich 45.000 Gäste, die tagsüber die Hotelanlage besuchen. Eine Nach in einer Suite kostet umgerechnet 260 Euro pro Person. Die einfachen Zimmer sind ab 130 Euro pro Gast und Nacht zu haben. Wem es in der Nacht zu kalt wird, der kann sich in einem Nebengebäude in der Sauna aufheizen.

Schneebaukunst als Präzisionsarbeit - ein jährlich wiederkehrendes Ereignis, dass für wenige Monate entsteht und sich dann wieder mit der Natur vereint und in Nichts auflöst.

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