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Schweden als IT-Land

LARS ILSHAMMAR

Schweden gehört heute zu den führenden IT-Nationen der Welt.Vor allem die starke Expansion von Unternehmen im IT- und Internetsektor hat die Aufmerksamkeit des Auslands erregt. Schweden ist beispielsweise weltweit führend bei mobiler Kommunikation und drahtlosen Internetanwendungen und deshalb ein wichtiger Testmarkt für internationale IT-Unternehmen. Stockholm wird immer häufiger als Internet-Hauptstadt Europas bezeichnet, in die viele der weltweit größten IT- und Telekommunikationsunternehmen wie Microsoft, Nokia, Intel und IBM jetzt Forschungs- und Entwicklungstätigkeit verlegen.

Dem schwedischen "IT-Wunder" liegen ein hoher Bildungsgrad und eine lange Tradition von Innovationen im EDV- und Telekommunikationsbereich zugrunde. Eine weitere Erklärung ist, dass es seit langem sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor wie Schulen, Universitäten und Privathaushalte eine hohe IT-Nutzung gibt.

Gegenwärtig befindet sich in über der Hälfte der schwedischen Haushalte ein Computer mit Internetabonnement, und die Anzahl der Haushalte mit Internetanschluss nimmt weiter rasch zu. Bereits 1998 benutzten 72 Prozent aller Erwerbstätigen einen Computer bei ihrer Arbeit. Die Anzahl der Mobiltelefonnutzer ist zwischen 1995 und 1999 von 1,5 Millionen auf 4,6 Millionen gestiegen. Diese Entwicklung führte dazu, dass Schweden die USA im globalen Index über IT-Nutzung des amerikanischen Analystenunternehmens IDC im Frühjahr 2000 überholte und jetzt das führende IT-Land der Welt ist.

Schwedens im internationalen Vergleich außergewöhnlich hohe IT-Nutzung war sowohl für die Entwicklung neuer Unternehmen im IT-Sektor und das allgemeine Wirtschaftswachstum des Landes von Bedeutung als auch für die Demokratie und die Möglichkeiten der Menschen, in der Gesellschaft eine aktive Rolle zu spielen. Neue Möglichkeiten des Einblicks und Dialogs, der direkten Demokratie und Bürgerkontrolle wurden eröffnet sowie neue Wege für die Bürger geschaffen, sich zusammenzuschließen und ihren gemeinsamen Alltag zu beeinflussen. Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Es gibt mehrere Ursachen dafür, dass die Nutzung der Informationstechnik gerade in Schweden so hoch ist.

Seit langer Zeit verfügt Schweden über eine gut ausgebaute Infrastruktur für Telekommunikation. Diese Infrastruktur geht auf politische Lösungen zurück, für die man sich bereits im 19. Jahrhundert entschied, um den Ausbau eines landesweiten Eisenbahn- und Telefonnetzes in einem Land zu garantieren, das arm und dünn besiedelt war und außerdem durch große geographische Entfernungen behindert wurde. Der Staat übernahm die Hauptverantwortung für nationale "Stammleitungen", während lokale Netze häufig kommunalen oder privaten Interessenten anvertraut wurden. Die Arbeitsverteilung zwischen Staat, Privatunternehmen und lokalen Akteuren hatte dann über 100 Jahre Bestand.

Viele Forscher sind der Auffassung, dass dieses schwedische Infrastrukturmodell sehr gelungen war. Hervorgehoben wird u.a. der Nutzen einer engen Zusammenarbeit zwischen sog. Entwicklungspaaren wie die staatliche Fernmeldeverwaltung (heute Telia) und Privatunternehmen wie Ericsson und ASEA (heute ABB). Für ABB und Ericsson war diese pragmatische Zusammenarbeit mit großen öffentlichen Auftraggebern ausschlaggebend für ihre Entwicklung zu High-Tech-Weltunternehmen. Die Entwicklung der Infrastruktur in Schweden macht deutlich, wie staatliche Behörden und Privatunternehmen sich bei der gemeinsamen Arbeit am "Aufbau des Landes" stark gegenseitig unterstützt haben.

Aber das schwedische Modell war nicht nur bedeutsam für das Wachstum der Exportindustrie, sondern auch für die Möglichkeiten der Bürger, eine aktive Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Im schwedischen Telekommunikationsgesetz wurde ein Telefonanschluss pro Haushalt lange als ein soziales Recht definiert. Diese bewusste politische Vorrangigkeit trug dazu bei, dass Schweden im 20. Jahrhundert viele Jahre lang weltweit die höchste Telefondichte pro Einwohner und gleichzeitig die niedrigsten Telefongebühren der Welt aufweisen konnte.

In den letzten 30 Jahren ist die Infrastruktur für Telekommunikation nach und nach ausgebaut und modernisiert worden, gleichzeitig wurde der Telekommunikationssektor liberalisiert, der jetzt im Wettbewerb mit einheimischen und ausländischen Unternehmen steht. Der schwedische Telekommunikationsmarkt wurde als einer der ersten in der EU liberalisiert, weshalb Schweden ein interessanter Markt für große internationale Telekommunikationsunternehmen geworden ist. Bei der Beschaffung von Tele- und Datenkommunikation für staatliche Behörden Ende der 1990er Jahre ging, im Wettbewerb mit u.a. der staatlichen Telia, ein großer Vertrag an das französische Unternehmen Transpac. Heute haben über 150 Betreiber beim schwedischen Zentralamt für Post und Telekommunikation eine Telekommunikationstätigkeit in Schweden angemeldet.

Schweden und die sonstigen nordischen Länder gehörten zu den ersten europäischen Nationen, die sich an das Internet anschlossen, während das übrige Europa so lange wie möglich seinen eigenen Standard für Datenkommunikation vorzog. Das schwedische Universitätscomputernetz SUNET und dessen gesamtnordische Entsprechung NORDUNET gingen bereits 1988 zum Internetprotokoll TCP/IP über. Damals betrug die Übertragungskapazität im schwedischen "Backbone-Netz" 9600 bps (Bits pro Sekunde). Seitdem ist das Netz wiederholt ausgebaut worden und die Kapazität liegt heute bei 155 Mbs (Millionen Bits pro Sekunde), ein Anstieg um über 16000 Prozent!

Von Anfang an hat die Königliche Technische Hochschule (KTH) in Stockholm eine zentrale Rolle für das Internet im Norden gespielt. Hier gibt es das KTH Network Operation Centre (KTHNOC), das einer der wichtigsten Knotenpunkte für das Internet in Europa ist. KTHNOC verknüpft SUNET, NORDUNET, das europäische Backbone-Netz Ebone sowie eine Reihe kommerzieller Betreiber. Diese Doppelrolle als früher Nutzer und verantwortlicher Betreiber hat hohe Kompetenz und eine verbreitete Internetreife in Schweden geschaffen und damit das Fundament für eine breite Nutzung des Netzes gelegt. SUNET schloss im Jahr 1997 einen Rahmenvertrag mit Telenordia, die allen Hochschulstudenten gegen eine sehr geringe Gebühr Zugang zum Internet gewährt. Die meisten Studentenunterkünfte sind heute direkt ans Internet angeschlossen.

Die Nutzung von IT und Internet ist auch durch eine politisch beschlossene Reform stimuliert worden. Im Jahr 1998 wurde Arbeitnehmern die Möglichkeit geboten, vom Arbeitgeber steuerfrei eine Computerausrüstung für den privaten Gebrauch auszuleihen. Die Ausrüstung kann nach einigen Jahren gegen einen symbolischen Betrag erworben werden. Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist, dass die Vergünstigung für das gesamte Personal am Arbeitsplatz gilt. Die Reform wurde gut aufgenommen und hatte zur Folge, dass viele Arbeitnehmer jetzt zu Hause über einen Computer verfügen. Allein zwischen 1997 und 1998 stieg der Anteil der Beschäftigten, die zu Hause einen Computer haben von 48 auf 67 Prozent. Gleichzeitig wurde die Computerkompetenz gestärkt.

Verschiedene Fördermaßnahmen für Unternehmens-, Gewerkschafts- und Personalcomputer gingen dieser Reform voraus und ergänzten sie. Die bekannteste dieser Fördermaßnahmen ist der LO (Schwedischer Gewerkschaftsbund)-Computer. Als der LO-Computer 1998 eingeführt wurde, verpflichteten sich etwa 50000 LO-Mitglieder zum Mietkauf eines Computers. Weil der Zugang zu und die Nutzung von Computern in verschiedenen sozialen Gruppen variiert, waren die PC-Reform und Fördermaßnahmen wie der LO-Computer wichtig, damit Gruppen, die bei der Techniknutzung traditionell hinterherhinken, jetzt besser gerüstet sind, den Anforderungen und Möglichkeiten der Informationsgesellschaft zu entsprechen.

Eine Reform, die den Boden für eine hohe IT-Nutzung vorbereitete, ist die Initiative für Erwachsenenbildung, ein Fünfjahresprogramm der Regierung für die Erwachsenenbildung. Die Initiative zielt darauf ab, das Bildungsniveau im ganzen Land zu heben, die Erwachsenenbildung zu reformieren und die Arbeitslosigkeit zu senken. Im Rahmen der Initiative ist Informatik das mit Abstand größte Fach.

Die Initiative für Erwachsenenbildung hatte auch zur Folge, dass neue, flexible Arbeitsformen eingeführt wurden, nicht zuletzt die Fernausbildung. In diesem Zusammenhang spielt die IT eine große Rolle als pädagogisches Instrument. Mit Hilfe der IT ist es möglich, eine fast individuelle Ausbildung nach den speziellen Bedürfnissen Einzelner oder kleiner Gruppen zu schaffen. Auch die allgemeine IT-Kompetenz der Lehrer wurde dank der Initiative und der Erwachsenenbildung erhöht. Die Regierung plant jetzt eine besondere Initiative für die Dozenten der Erwachsenenbildung, um ihre Möglichkeiten zu verbessern, IT als pädagogisches Hilfsmittel in der Ausbildung zu verwenden.

Im gesamten schwedischen Schulwesen wurde während der 1990er Jahre intensiv daran gearbeitet, IT-Kenntnisse in die Ausbildungspläne aufzunehmen sowie den Zugang zu Computern und Internet zu erhöhen. Dem Lehrplan der obligatorischen Grundschule zufolge ist die Schule dafür verantwortlich, dass jeder Schüler nach der Ausbildung die Informationstechnik als Werkzeug für Informationssuche und Lernen nutzen kann. Die Computerdichte und der Internetzugang wurden auch stark ausgebaut. Im Jahr 1999 gab es in der Grundschule einen Computer für zehn Schüler. Der Anteil der Grundschulen mit Internetzugang betrug 86 Prozent. In der Gymnasialschule war die entsprechende Zahl sogar 95 Prozent.

Eine nationale Fördermaßnahme für IT in der Schule (ITiS) wurde im Zeitraum 1999-2001 durchgeführt. ITiS soll die Infrastruktur der Schulen stärken und besteht teils aus staatlichen Zuschüssen, mit denen der Anschluss ans Internet verbessert werden soll, teils aus Leistungen, die allen Schülern und Lehrern zu einer eigenen E-Mail-Adresse verhelfen sollen. Im Rahmen des ITiS haben 60000 Lehrer oder 40 Prozent der gesamten Lehrerschaft in der Grund- und Gymnasialschule eine pädagogische Kompetenzentwicklung erhalten. Ein weiteres Instrument zur Entwicklung der IT-Nutzung im Unterricht ist das schwedische Schuldatennetz. Auf der Website des Netzes können schwedische Schulen sich informieren, eigenes Material publizieren und mit anderen Schulen im In- und Ausland kommunizieren. Das Schuldatennetz hat ca. 20000 Nutzer pro Tag.

Erklärungen für die hohe IT-Nutzung sind auch in der schwedischen Geschichte und der schwedischen kulturellen Identität zu finden. Schweden hat seit langem eine Position als früher Nutzer fortgeschrittener Technik. Seit dem 19. Jahrhundert sind die Schweden erfahrene und neugierige Techniknutzer mit einer im großen und ganzen positiven Einstellung zur technischen Entwicklung. Technik und Ingenieurwissenschaften haben traditionell eine starke Position in der schwedischen Gesellschaft, Erfinder und Ingenieure werden als Helden verehrt und zu Vorbildern für Generationen schwedischer Jugendlicher. Der Umstand, dass mehrere schwedische Weltunternehmen auf einzelnen Erfindungen basieren, hat natürlich zu dem hohen technischen Interesse beigetragen.

Innovationen werden deshalb schnell akzeptiert und von großen Gruppen genutzt. Als Ende der 1870er Jahre das Telefon in Schweden eingeführt wurde, fand es rasch sehr weite Verbreitung. Stockholm war bereits Mitte der 1880er Jahre die Stadt mit der weltweit höchsten Telefondichte. Auch andere kommunikationstechnische Systeme wie Motorisierung, Radio und Fernsehen machten einen schnellen Ausbau durch. Die umfassende Nutzung wurde durch bewusste politische Bestrebungen erleichtert, neue Technik zu verbreiten und den unterschiedlichen Zugang in verschiedenen Gruppen und Regionen auszugleichen.

Die IT-Vorlage der Regierung vom Frühjahr 2000 baut auf den Erfahrungen auf, die Schwedens Spitzenposition bei der IT-Nutzung zugrunde liegen. Die Bestrebungen gehen dahin, Schweden als erste Nation zu einer "Informationsgesellschaft für alle" zu machen, indem alle Menschen Zugang zu den Möglichkeiten der neuen Technik erhalten. Zur Erreichung dieses Ziels sind zielgerichtete Einsätze auf vielen Gebieten erforderlich. Die Regierung schlägt vor, dass der Staat drei Aufgaben Priorität einräumt: Zugänglichkeit zu verschiedenen IT-Dienstleistungen, eine breite Nutzungskompetenz der IT und ein starkes Vertrauen in die IT-Nutzung.

Die Vorlage enthält außerdem Richtlinien für die Verantwortung des Staates hinsichtlich der IT-Infrastruktur. Das Ziel ist, dass Haushalte und Unternehmen in ganz Schweden in den nächsten Jahren Zugang zu Breitbandkapazität erhalten. Insgesamt werden während vier Jahren 8,3 Milliarden SEK in eine bessere Infrastruktur investiert. Es wird vorausgesetzt, dass die Akteure des Marktes ebenso viel beisteuern. Teil des Infrastrukturpakets sind Steuervergünstigungen, um den Anschluss an das Breitbandnetz zu stimulieren. Zuschüsse sollen auch für regionale Netze gewährt werden können sowie für den Anschluss an Breitbandnetze in dünn besiedelten Gebieten. Außerdem baut das staatliche Unternehmen Svenska Kraftnät ein neues Stammnetz mit hoher Übertragungskapazität an alle Gemeindezentren des Landes aus.

Die Regierung will die demokratische Nutzung der IT durch die Entwicklung sog. 24-Stunden-Behörden erhöhen, die zur Information und Selbstbedienung im Internet rund um die Uhr geöffnet sind. Man ist bestrebt, die öffentliche Verwaltung zu einem Vorreiter bei der IT-Nutzung zu machen. Es wird auch vorgeschlagen, in unterschiedlichen Wohnumgebungen Versuche zu starten, um den Bürgern mit Hilfe der IT mehr Einblick in politische Entscheidungen zu verschaffen und sie bei diesen Beschlüssen stärker einzubeziehen. Dabei kann es z.B. um die Diskussion aktueller politischer Fragen gehen, aber auch darum, sich an der Übernahme direkter demokratischer Verantwortung für gemeinsame Angelegenheiten zu beteiligen.

Auch die parlamentarische Enquetekommission über Demokratie schlägt in ihrem Abschlussbericht vom Frühjahr 2000 vor, dass die IT zur Stärkung der Demokratie genutzt werden sollte. Die Enquetekommission ist auch der Auffassung, dass alle wichtigen politischen Dokumente, z.B. eingegangene Stellungnahmen und Unterlagen für verschiedene Beschlüsse im Internet publiziert werden sollten, damit alle Bürger sich mit den Fragen vertraut machen und ihre Ansichten unter den gleichen Voraussetzungen wie Politiker und Beamte äußern können.

Kürzlich hat die Regierung eine neue Enquetekommission eingesetzt, die u.a. untersuchen soll, welche Möglichkeiten und Probleme die Stimmabgabe bei allgemeinen Wahlen via Internet von zu Hause mit sich bringen kann. Der Demokratie- und Verwaltungsministerin Britta Lejon zufolge muss es möglich sein, die praktische Beschlussfassung zu beeinflussen, wenn die Bürger sich engagieren sollen, um die Demokratie auf elektronischem Weg zu unterstützen.

Das Justizministerium hat deshalb gemeinsam mit u.a. dem Zentralamt für industrielle und technische Entwicklung (NUTEK) ein Entwicklungsvorhaben über IT und Demokratie gestartet. Mit Hilfe einiger Pilotgemeinden sollen Erfahrungen aufgebaut werden, wie die IT genutzt werden kann, um demokratische Treffpunkte und Foren zu schaffen, die den Dialog zwischen den Bürgern und ihren Politikern ausweiten.

Die meisten schwedischen Behörden, Gemeinden und Provinziallandtage haben sich in den letzten Jahren im Internet etabliert und bieten eine elektronische Kontaktfläche für Bürger und Unternehmen. Auf einigen Websites finden elektronische Konferenzen statt, bei denen man einen Dialog mit anderen Bürgern und den Mandatsträgern führen kann.

Mehrere Gemeinden, Provinziallandtage und Behörden betreiben fortgeschrittenere Demokratieversuche, um die traditionellen Begegnungsformen durch neue IT-basierte Arenen zu ergänzen. Der Provinziallandtag in Dalarna und die Gemeinde Bollnäs haben es beispielsweise ihren Bürgern ermöglicht, die Debatten des Gemeinderates direkt über den Computer zu verfolgen und auch während der Sitzung E-Mails mit Kommentaren und Vorschlägen an die Politiker zu schicken.

Es ist fraglich, ob diese Netzwerke und Treffpunkte auch Menschen, die sich früher nicht für politische Fragen engagiert haben, dazu bewegen können, Informationen zu suchen, an Diskussionen teilzunehmen und ihre Ansichten zu vertreten. Bis jetzt gibt es, sowohl in Schweden als auch im Ausland, nur begrenzte Erfahrungen damit, wie die IT genutzt werden kann, um Diskussionsforen zu schaffen, die den demokratischen Dialog zwischen Politikern und Bürgern erleichtern. Deshalb sind mehr Erkenntnisse darüber erforderlich, wie die Informationstechnik zu einem demokratischen Instrument entwickelt werden kann. Diese Erkenntnisse sind nur durch praktische Versuche zu gewinnen. Ein grundlegendes Problem stellt jedoch der ungleichmäßige Zugang zu IT in verschiedenen sozialen Gruppen dar.

Zugang zu und Nutzung von Computern und Internet variieren je nach ethnischem Hintergrund, Geschlecht und Alter, aber auch Ausbildung, Einkommen und Wohnort. Obwohl Schweden eine der führenden IT-Nationen der Welt ist, haben viele Wohnungen immer noch weder Computer noch Internetzugang und können deshalb die Möglichkeiten der Informationstechnik nicht ausnutzen. Von den Mitgliedern des Schwedischen Gewerkschaftsbundes LO verfügten im Jahr 1998 nur 51 Prozent zu Hause über einen Computer, während die entsprechenden Anteile bei den Mitgliedern der Zentralorganisation der Angestellten und Beamten (TCO) 76 Prozent und bei den Mitgliedern der Zentralorganisation Schwedischer Akademiker (SACO) 84 Prozent ausmachten.

Diese Tendenzen zu größeren Unterschieden sind gefährlich. Wenn nicht alle Bürger Zugang zu der neuen Technik haben, oder sie nicht nutzen können, kann man kaum von vollwertiger Demokratie sprechen. Wenn bestimmte Gruppen bei der gesellschaftlichen Entwicklung und in der politischen Debatte nicht mithalten können, besteht das Risiko, dass sich eine permanente Informationsunterklasse entwickelt. Deshalb ist aktive Arbeit erforderlich, um den Computerzugang zu erhöhen und die Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen auszugleichen, wenn alle Zutritt zur Informationsgesellschaft erhalten sollen. Aber Informationsdefizite zu verhindern ist auch sehr stark eine Frage besserer Ausbildung, vor allem für Menschen, die sonst nur mit Schwierigkeiten das Ausbildungsangebot der Gesellschaft nutzen können.

Lars Ilshammar ist Historiker an der Universität Örebro. Sein Forschungsinteresse gilt hauptsächlich der Entwicklung von IT-Politik mit Demokratie und öffentlichem Zugang als speziellen Schwerpunkten.

Dieser Artikel ist Teil des Informationsdienstes des SI (Juli 2000)

Für den Inhalt dieses Artikels ist allein der Verfasser verantwortlich.

Übersetzung: Margaretha Tidén

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