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Lemming (Lemmus lemmus)

Lemminge sind als Charaktertiere des Nordens die mit Abstand häufigsten Kleinsäuger dieser Region. Sie leben gern im Feuchten, möglichst am Rand von Sümpfen. Wenn aber im Herbst die Regenfälle einsetzen, dann suchen sie trockenere Gegenden auf. Sie müssen also zweimal jährlich auf Wanderschaft. Während sie sich im Frühling ziemlich beeilen, sind sie im Herbst manchmal bis zu zwei Monate unterwegs. In 24 Stunden kann ein Lemming bis zu 15 km zurücklegen. Wandern gehört also zum Leben des Lemmings wie der Flug nach Afrika zu dem der Schwalbe.
Im Sommer bauen sich die Berg- oder Fjällemminge weit ausgedehnte, oberflächlich liegende Gangsysteme. Den ganzen Winter über tummeln sich die Tiere in Gängen unter dem Schnee. In diesen Schneetunneln können sie ungestört Nahrung suchen und fressen, während über der Schneedecke die eisigen Winterstürme toben. In dieser Jahreszeit besteht die Nahrung fast ausschließlich aus Moosen, Flechten und Gräsern. In der kurzen Sommerperiode kommen noch Beeren, Pilze und Kräuter auf die Speisekarte. Ihr ständiges Graben im Boden ist ökologisch sehr wichtig, denn es gibt neuen Pflanzen die Möglichkeit, sich in der aufgeworfenen Erde festzusetzen. Lemminge sind sehr fruchtbar. In ihrem unterirdischen Bau verläuft die Fortpflanzung wie am Fließband. Auf bis zu drei Würfe pro Jahr schaffen es die Lemminge. Im Intervall von einigen Jahren vermehren sich die Tiere so stark, dass es zu einer Nahrungsverknappung und zu Stress kommt. Bei hoher Populationsdichte geraten die reizbaren und unverträglichen Tiere ständig aneinander. Diese Umstände lösen schließlich die Bildung von Wanderzügen aus. Ein Großteil der Tiere wandert ab, um neuen Lebensraum zu suchen. Das sind die Lemmingzüge, die so unerklärlich wirken.
Der Lemming hält im allgemeinen keinen Kontakt zu seinen Artgenossen. Er ist scheu und leicht erregbar. Wenn nun so eine Wanderung beginnt, und viele auf einmal losziehen, dann fühlt sich jedes Tier von den anderen belästigt. Kommt dieser Haufen in eine Schlucht hinein oder auf eine Enge zwischen zwei Seen, entsteht ein Gedrängniss wie in einer Touristenstation nach einer Bus- oder Zugankunft. Die Tiere fühlen sich eingezwängt, sie geraten in Panik, werden hysterisch und aggressiv. Sie beißen wie wild um sich. Die Lemminge gehen also nicht gemeinsam auf ihre Züge, sondern der Eindruck eines gemeinsamen Zuges entsteht erst dort, wo die Tiere sich zusammendrängen müssen. So erklären sich auch die Brücken, welche diese Tiere angeblich bauen, in dem sie sich ins Wasser stürzen und die anderen über sich hinweg laufen lassen. Sie rennen ungebremst in das gefährliche Element Wasser hinein, und während sie am Ersaufen sind, drängen die anderen über ihre Leiber nach.
Die Bedeutung der Lemminge für das Ökosystem ihrer unwirtschaftlichen Heimat ist enorm. Sie sind das wichtigste Bindeglied in der Nahrungskette zwischen den Pflanzen und den räuberisch lebenden nordischen Säugern und Vögeln. Vor allem im Winter werden diese Nager zur Hauptnahrungsquelle für Polarfüchse, Vielfraße, Hermeline, Greifvögel und Schneeeulen. Auch Rentiere fressen neben ihrer kargen Flechten- und Kräuterkost Lemminge.
Wenn man mal so einem niedlichen Tier begegnet, so sollte man nicht versuchen es zu streicheln, denn sie haben ein sehr starkes Gebiss und messerscharfe Zähne.

Die schwedische Tierwelt

 

 

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