Schwedisch Deutsch


Deutsch Schwedisch

Willkommen daheim

Was einem so alles durch den Kopf geht, wenn man in Urlaub fährt. Manchmal, wenn ich in Urlaub fahre stehe ich vor meiner Haustür und stelle mir für eine Sekunde vor, wie es wäre, wenn … Na ja, in Wahrheit wüsste gern, was in meiner Wohnung geschieht, wenn ich nicht da bin. Ich kann sie ja nicht mitnehmen in den Urlaub, die Wohnung. Ob dort meine Küchenschaben die Kakerlaken des Viertels zu einer wochenlangen Orgie eingeladen haben? Ob ein Unbekannter heimlich eine Zeit lang eingezogen ist? Ob aus den Buchregalen Romanfiguren hervorklettern und sich austauschen? Erfahrungsgemäß kann man alle Menschen, die zu Reisezwecken ihr Haus für eine Zeit verlassen, in zwei Personengruppen einteilen:

Die Wasserneurotiker

Unter Wasserneurotikern sind Leute zu verstehen, die sich nicht von der Vorstellung befreien können, ihre Behausung werde während ihrer Abwesenheit durch einen Defekt im Leitungssystem der Geschirrspülmaschine vom Wasser zerstört. Sie glauben, kurz nach Verschließen der Wohnungstür platze ein Schlauch, und ein Strom von Wasser ergieße sich in die Wohnung. Er sickere durch den Fußboden in die unterliegende, wegen Gerichtsferien geschlossene Anwaltskanzlei und mache sämtliche Aktenbestände unbrauchbar, bis der vom Wasser zermorschte Boden durchbreche und das ganze Mobiliar unter Schutt begrabe. Aus dem Urlaub zurückgekehrt werde er, glaubt der Wasserneurotiker, erstens ohnehin besitzlos sein, zweitens von Schadensersatzklagen komplett vernichtet werden.

Die Feuerneurotiker

Feuerneurotiker hingegen sind Menschen, die davon ausgehen, dass, sobald sie verreist sind, ein Defekt im Fernseher einen Brand verursacht. Die Flammen zerstören zunächst die eigene Wohnung, sodann den Rest des Hauses, einschließlich der darin befindlichen Anwaltskanzlei, ihrer unersetzlichen Aktenbestände und ihres wertvollen Mobiliars. Allen Besitzes verlustig gegangen, werde er, denkt der Feuerneurotiker, durch Schadensersatzklagen jeglicher Existenzgrundlage beraubt.

Außerdem gibt es Personen, die beiden Neurosenkreisen zugleich angehören. Sie glauben, ein etwa ausbrechendes Feuer werde vom ansteigenden Wasser zunächst gelöscht, das Wasser werde aber dann... siehe oben. Alle diese Menschen patrouillieren, bevor sie die Wohnung verlassen, etliche Male durch ihre Räume, befühlen Herdplatten, kontrollieren Bügeleisenstecker und betrachten nachdenklich Haupt- und Nebenwasserhähne. Wenn sie heimkommen, mit dem Auto um die Ecke, sehen sie, dass das Haus noch steht, dass in der Anwaltskanzlei Licht brennt und in ihrer Wohnung nicht. Voller Glück schließen sie die Türe auf.

Und dann...? ... ist der Alltag zurück: "Schatz, weißt du nicht, dass man eine Kühlschranktür offen lassen muss, wenn man den Kühlschrank abschaltet? Nun wächst hier drin ein schrecklicher blaugrüner Pilz!" "Ist denn diese Nachbarin zum Blumengießen zu blöd? Mein schöner Ficus!" "Oh Gott, das Käsebrot war als Reiseproviant gedacht, und du hast es hier liegen lassen!" "iiiih!!! Ich wollte mir gerade einen Toast machen, und es roch gleich so komisch, und dann ist aus dem einen Fach der Toast herausgehüpft und aus dem anderen eine tote Maus!" Die Wohnung hat uns wieder und das Leben auch! Immer noch unser altes, banales, kleines Leben. Neulich stand in der Zeitung, ein Ehepaar in München habe nach dem Urlaub sein ganzes Haus ganz und gar leer vorgefunden, alles war geklaut: Teppiche, Antiquitäten und Gemälde. Und jemand hat mal von einem anderen Ehepaar erzählt, da ist die Frau allein verreist, und als sie zurückkam, war der Mann über alle Berge, und die Wohnungseinrichtung komplett weg, weil er alles mitgenommen hätte.

Aber wir haben ja keine Antiquitäten und keine Gemälde, und verreisen tun wir immer zusammen. Und so was richtig Schlimmes passiert unsereinem ja eigentlich doch nie, Gott sei Dank. Montag müssen wir wieder ins Büro.

Reiseberichte | Mit dem Fahrrad in den Polarkreis | Fliegenfischen am Kalixälven

 

Sitemap